Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück. Psalm 73,28 


 


 

Aktuelle Predigt

Von dem was tröstet im Wandel. Predigt über Offenbarung 21,1-7 am Ewigkeitssonntag 


Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. (Lutherbibel 2017,Deutsche Bibelgesellschaft,Stutgart)


Am letzten Sonntag im Kirchenjahr hören wir einen Abschnitt aus der Offenbarung des Johannes. Das war ein Prophet, den man auf eine Insel verbannte hatte: Patmos. Johannes war in Ungnade gefallen. Er war Christ. Der römische Kaiser wollte, dass ihn sein Volk als Gott verehrt. Dazu war Johannes nicht bereit. Und nicht nur er. Auch viele andere. Die hatte ein schlimmes Schicksal ereilt. Sie wurden gefangen genommen, gefoltert, getötet. Auf Patmos hatte Johannes eine Vision. Der Vorhang wurde etwas angehoben und Johannes durfte einen Blick werfen hinter die Kulissen. Was er gesehen und aufgeschrieben hatte, soll uns heute ein Trost sein. Manchen werden diese Worte bekannt vorkommen. Wir hören sie meistens am Ende einer Bestattung am offenen Grab. Das sind Worte, die Mut machen und trösten. Obwohl sie auch beängstigend sind. Sie sprechen vom neuen Himmel und der neuen Erde. Sie sprechen auch davon, dass diese Welt ein Ende hat. Deshalb sind sie auch beklemmend.


Johannes sagt: die alte Welt vergeht. Sie hat ein Ende. Im Glaubensbekenntnis verbinden  wir dieses Ende der Welt mit dem Jüngsten Tag, mit der Wiederkunft Jesu und mit dem Gericht. Dann aber spricht Johannes von dem, was mich hoffen lässt. Er spricht von der neuen Welt Gottes, die nicht nur an die Stelle der alten treten, sondern die sie überbieten wird. Johannes versucht, zu beschreiben, was er in seinen Visionen von Gottes neuer Welt gesehen hat. Er bedient sich bildhafter Vergleiche, die seinen Zeitgenossen zwar vertraut waren, uns aber fremdartig erscheinen. Jerusalem spielt dabei eine wichtige Rolle. Das war für Johannes die Heilige Stadt. Jerusalem war der Ort, an dem sich Israel seinem Gott einen Tempel erbaut hatte. In einem Psalm heißt es: „Wie die Berge Jerusalem umgeben, so ist der Herr um sein Volk“. (Psalm 125,2)  Ganz nahe also. Johannes spricht von der neuen Welt Gottes, in die er hat schauen dürfen. Er nennt diese neue Welt Gottes deshalb das „neue Jerusalem.“ Aus dem Himmel herab kommt es zu den Menschen, bereitet wie eine geschmückte Braut  für ihren Mann. Johannes  spricht  da von unserer Zukunft, von unserem neuen Zuhause, dem Ort, an dem sich die Wunden der Seele schließen und heilen. Eine freundliche Stadt ist das, in der es sich zu leben lohnt. Eine Stadt ohne Schatten, ohne Leid, ohne Geschrei, ohne Angst, ohne Tod. Johannes beschreibt, wie ein Leben in dieser neuen Stadt aussehen wird. Alles wird sich auf den Mittelpunkt in dieser Stadt  konzentrieren, ausrichten. Diese Mitte ist Gott selbst. Er schlägt sein Zelt auf bei den Menschen. Er wohnt bei ihnen - schaubar, nicht mehr verborgen im  Allerheiligsten, das war der Raum im alten Tempel, den nur der Hohepriester einmal im Jahr betreten durfte. Gott ist jetzt nicht mehr verborgen im Wort oder unter Brot und Wein - wie wir das heute bekennen. Wer im neuen Jerusalem lebt, ist aus dem Glauben ins Schauen getreten. Die Einwohner dieser Stadt haben Gott in ihrer Mitte. Sie werden Gottes Volk sein und Gott selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Mich tröstet der Gedanke, dass unsere Verstorbenen uns einen Schritt auf dieses Ziel hin voraus gegangen sind. 


Johannes erzählt von der Fürsorge Gottes an den Einwohnern seiner Stadt. Johannes sagt, daß Gott selbst die Tränen von ihren Augen abwischen wird. Da ist kein ferner Gott mehr, den man nicht begreift, sondern einer, der sich zu den Niedergeschlagenen herunter beugt und die Verzweifelten tröstet. Darauf hoffe ich und warte ich. Ich glaube, daß Gott in dieser neuen Welt nicht nur die Tränen abwischt, dass nicht nur Leid, Geschrei und Schmerz verstummen, weil wir uns leer geweint haben. Ich glaube, dass wir dann auch die Antworten bekommen, die uns jetzt noch umtreiben und das Glauben schwer machen. Wer darf in dieser Stadt wohnen? Ich glaube, daß wir dazu gehören werden - zusammen mit vielen anderen, vielleicht auch mit solchen, von denen wir das nicht möglich gehalten haben. Ich denke an die Worte Jesu vor seinem Tod. Er spricht sie zu seinen Jüngern, die Angst um ihren Herrn haben. Er sagt: „Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.“ Ich glaube, daß uns der Zugang zu dieser Stadt, zu dieser neuen Welt Gottes deshalb offen steht. Jesus Christus hat uns die Tür geöffnet. Und ich denke, daß auch unsere Verstorbenen ihren Platz in diesem neuen Jerusalem haben werden. Sie gehören mit  dazu. Wir werden seine Völker sein, sagt Johannes. Von etwas neuem spricht Johannes, von Veränderungen. Das macht uns angst. Aber wir brauchen keine Angst haben. Wir werden uns verändern. Ich glaube, wir werden nicht die alten sein, wenn wir unser neues Zuhause beziehen. Ebensowenig, wie die Erde und der Himmel die alten sind. Weil Gottes neue Welt keine Neuauflage der alten sein will. Die neue Welt Gottes ist bestimmt von Gott, der die Welt mit sich versöhnt hat, durch Jesus Christus. Wir werden versöhnt sein, wenn wir unseren Platz in der Nähe Gottes einnehmen werden. Das ist die große Hoffnung, die ich habe. Wir werden versöhnt sein, mit uns selbst, miteinander und mit Gott. Es wird kein Streit mehr sein. In unser unruhiges Herz wird mit der Ewigkeit auch der Friede Gottes und die Liebe Christi einziehen. Das ist die Hoffnung, die ich mit dieser Zukunft verbinde. An dieser Stelle wird mir klar, wie unendlich weit der Prophet Johannes nach vorn blickt.


Ich denke an die Gegenwart. Das Kirchenjahr sagt mir: wir stehen zwischen den Zeiten. Wir leben in dieser Welt und warten auf die Zukünftige. Wir sind noch lange nicht am Ziel. Es kostet sicher viel Überwindung die Hoffnung auf Gottes neue Welt nicht im Gegenüber des Leides, der Trauer zu verlieren. Dazu will uns Johannes Mut machen. Gott sagt aus seiner neuen Welt heraus: „Wer überwindet, der wird es alles erben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn, mein Kind sein.“

Gott stellt uns einen Helfer zur Seite, damit wir überwinden, damit wir eintreten können, in Gottes neue Welt. Wir werden vor allem nächste Woche, am 1.Advent, an den Einzug dieses Helfers in die Alte Welt denken. Ich spreche von Jesus Christus, der gerade in die alte, vom Tod verdunkelte Welt gekommen ist, um uns den Weg in die neue zu bereiten. Er ist zum Gott – mit - uns, zum Gott an unserer Seite geworden. Er gibt uns heute Kraft und Halt. Heute stehen wir zwischen den Zeiten und Welten. Wir leben in einer vergehenden und warten auf die zukünftige. Unser Glaube sagt: wir warten nicht vergeblich. Mit Jesus Christus, der in die Welt gekommen ist, fallen bereits die ersten Strahlen von Gottes neuer Welt in unser Leben. Sie tragen das Licht der Hoffnung in das von Trauer überschattete Leben. Ich wünsche allen, die mit einem traurigen Herz in unser Gotteshaus gekommen sind, dass ein Strahl von diesem Licht jetzt seinen Weg auch zu ihnen findet, damit es wieder heller werden kann in ihrem Leben. Es ist das Licht der Hoffnung. Es gibt eine Zukunft, für unsere Verstorbenen, nach denen wir Sehnsucht haben. Und es gibt eine Zukunft für uns. Eine gemeinsame Zukunft, ein gemeinsamer Ort: Gottes Heilige Stadt, wo wir miteinander Gott loben dürfen. Vielleicht ein kleiner Trost, aber doch einer mit einer großartigen Aussicht. Amen.

© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein, 22.11.2020

Predigt zum Ewigkeitssonntag
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Offenbarung 21,1-7- Ewigkeitssonntag 2020 Kopie.pdf (48.52KB)
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