Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück. Psalm 73,28 



Das Fest der Lebensfreude - zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Wenn Gott zu den Menschen kommt, dann knallen die Korken – so salopp könnte man vielleicht die Botschaft des heutigen Evangeliums zusammenfassen. Wo die Korken knallen wird gefeiert. So wie auf der Hochzeit zu Kana, von der im heutigen Evangelium erzählt wird. Was für ein wichtiger Tag im Leben zweier Menschen. Hochzeit bedeutet Hoch - Zeit. Eine Hoch - Zeit der Liebe, der Lebensfreude. Nicht auszudenken, wenn sie getrübt wird. Zum Beispiel, weil der Wein ausgeht. Das darf nicht sein. Die Freude darf nicht getrübt werden. Schon gar nicht, wenn Grund und Ursache der Lebensfreude unter den Menschen weilt, selbst, wenn er nicht als solcher wahrgenommen wird. Noch nicht, jedenfalls. Jesus setzt ein Zeichen. Ein Zeichen ist ein Hinweis, ein Fingerzeig. Es soll hindeuten auf ihn. Da, wo er ist, da pulsiert das Leben, das ewige, das unvergängliche, das unüberbietbare. Allerdings deutet sich das erst an, zeichenhaft und zart. Es ist gewissermaßen das Hoffnungszeichen, auf das wir schauen können, wenn uns die anderen Bilder und Nachrichten dieser Zeit erschrecken, die Bilder, die uns eine vergängliche Welt vor Augen stellt. Das ist eine bedrohte Welt.  Das Leben ist zerbrechlich, gefährdet. Daran werden wir tagtäglich erinnert. Wie gut deshalb doch dieses Evangelium uns tut. Gerade heute. Wo Gott erscheint, pulsiert das Leben. Und Gott scheint auf in dieser Welt. In einem kleinen Kind, das in der Krippe liegt, zum Beispiel. Gott erscheint in dieser Welt, er lässt uns nicht allein. Er kommt, um uns zu beschenken. Gott will uns erfülltes Leben schenken. Dieses Leben in Fülle gibt es aber nur in der Gemeinschaft mit ihm, mit dem lebendigen Gott, der selbst das Leben in Fülle ist. Was sollen wir tun? Umkehren zur Quelle und aus der Quelle schöpfen, Kraft und Glauben, Hoffnung und Liebe schöpfen und dadurch leben.



Die Finsternis vergeht - jetzt! Zum Epiphaniastag

Durch den Dreikönigstag begleitet uns eine Zeitansage aus dem 1. Johannesbrief, die ermutigend ist: „Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“ (1.Johannes 2,8) Ich denke bei diesem Ausspruch an eine kleine winterliche Episode aus dem Fichtelgebirge vor ´etwa fünfundzwanzig Jahren. Da wurde ich von einem Stromausfall höchst unangenehm überrascht - am frühen Abend, während der Konfirmandenstunde im Gemeindehaus. Draußen tobte eine Schneesturm. Der Wind heulte ums Haus, rüttelte an den Fensterscheiben und wehte Schneemassen auf den Gehsteig. Nach einem unerwarteten Donnerschlag und einem grellen Blitz wurde es schlagartig finster. Die Mädchen kreischten, die Jungs johlten, dankbar für die Unterbrechung. Ich war unsicher. Auf einmal war alles weg, die Menschen, die Einrichtung, das vertraute Umfeld, einfach von der Dunkelheit verschluckt.  Da der Stromausfall nicht nur das Haus, sondern die ganze Ortschaft betroffen hatte, wurde die Dunkelheit auch nicht durch Licht von draußen gemildert, zum Beispiel von  Straßenlaternen. Nicht einmal der Mond schien. Es war, wie gesagt, stockdunkel. Ich weiß noch, wie ich mich unsicher durch den dunklen Gemeindesaal wie ein Blinder an der Wand entlang getastet habe, hinaus auf den Gang, nach nebenan in die Teeküche, wo der Tisch mit der Schublade war, in der sich, wie ich mich erinnerte, eine Streichholzschachtel und ein paar Kerzen befunden hatten. Wie habe mich an dem kleinen Moment erfreut, als das Zündholz mir ein wenig Licht zurückgebracht hat, wenn auch nur für ein paar Sekunden. Jetzt, für einen Augenblick habe ich wieder klar gesehen, mich zurechtgefunden. Dann war es wieder dunkel. Noch ein zweites und ein drittes Streichholz waren nötig, bis die Kerzenstummel alle brannten. Endlich Licht. Licht bedeutet Sicherheit. Aus der Not habe ich eine Tugend gemacht und den Unterricht mit einer Nachtwanderung beschlossen. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis die Ortschaft wieder am Stromnetz angeschlossen war.  Daran denke ich, wenn ich das Tageswort für Epiphanias höre. „Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon…“ Ich glaube, hier ist eine andere Finsternis gemeint. Eine, die Menschen schlagartig oder schleichend heimsucht. Ein Schicksalsschlag, eine Krankheit, einer persönliche Notlage - die Finsternis ist einfallsreich, wenn es darum geht, unser Leben zu verdunkeln, uns der Sicherheiten zu berauben. Heute hören wir eine frohe Botschaft: die Zeit dieser Finsternis geht zu Ende. Und dann sehen wir ein Licht, das den Weg weist, den Weg zurück in die Sicherheit, den Weg zurück ins Vertraute, ins Leben, ins Licht. „Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon!“ Dieses Wort hören wir am Dreikönigstag, an Epiphanias. Das Wort bedeutet sehr frei übersetzt: Fest der Erscheinung. Erschienen ist das Licht, das die Finsternis zurückdrängt, das uns Leben und Hoffnung schenkt. Ich denke an Weihnachten, sehe die Krippe mit dem Kind von Bethlehem. Seine Geburt ist wie ein kleiner Lichtstrahl der Hoffnung in einer dunklen, kalten Nacht. Das ist nicht mehr wie das Aufleuchten des Streichholzes in meiner Hand. Aber doch macht der Anblick dieses Kindes Mut, zeigt die Welt in einem warmen Licht, in dem wahren Licht, in dem die Welt einmal erstrahlen soll. Ein kleiner Lichtstrahl Hoffnung ist dieses Kind und doch ein mächtiger. Er zeigt, was einmal sein wird. Die Zeit der Finsternis wird vergehen.  Die Zeit der Angst, der Not, der Tränen, des Leids, der Trauer wird ein Ende haben. Das wahre Licht scheint. Es wird stärker. So wie die Tage jetzt zögernd aber stetig länger werden, so breitet sich das Licht aus. Ein Prozess der Heilung, der Rettung ist das. Schritt für Schritt wird sich das Licht seinen Weg in unser Leben bahnen. Noch sind wir am Anfang. Noch gibt es sie, die dunklen Ecken, an denen man sich stößt, die dunklen Zeiten, die Angst machen. Und doch gilt: die Finsternis vergeht. Was mein Leben oft dunkel und trostlos macht, wird nicht bleiben, muss dem Licht weichen. Eine Ahnung davon, wie es sein wird, wenn sich das Licht durchsetzt, haben wir an Weihnachten bekommen, eine Ahnung von der Welt, wie sie werden wird - durch das Kind von Bethlehem, durch den Mann von Nazareth, den Gekreuzigten und Auferstanden.. Den Weisen aus dem Morgenland hat der Anblick dieses Kinds genügt, um in die Knie zu gehen. Sie haben ihm Geschenke gebracht, das kostbarste was sie hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und ebenso die Hirten. Die Ahnung hat sie froh gemacht. Sie haben das Kind angebetet und sind nach Hause gegangen, zurück zu ihren Herden. Sie wussten, wir gehen einer gute Zeit entgegen.



Ein Name, der Mut macht - Zum Tag der Namengebung Jesu

Der 1. Januar hat im Kirchenkalender eine besondere Bedeutung. Der erste Tag im neuen Jahr gilt als "Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu". Wir erinnern uns dabei an seinen irdischen Weg. Jesus war Jude. Er wurde, wie alle jüdischen Buben, acht Tage nach seiner Geburt beschnitten und so „unter das Gesetz getan“ - wie Paulus schreibt. Jesus hat also von Anfang an die Feste seines Volkes mitgefeiert. Mit seinen Eltern hat er als Zwölfjähriger den Tempel besucht. In den Synagogen hat er die Schrift gehört und ausgelegt. Die Psalmen waren sein Gebetbuch. Jesus ist die lateinisch - griechische Namensform des Gottessohnes. Maria hat ihren Sohn wohl anders genannt: wahrscheinlich "Jehoschua". Das bedeutet: Jahwe - Gott - ist Rettung. Der Name drückt aus, was Jesus den Menschen im Auftrag Gottes bringt: das Heil, die Rettung, den Frieden. An Weihnachten haben wir die Geburt Jesu gefeiert. Der Friede Gottes, der alle Vernunft übersteigt, ist auf Kinderfüßen in die Welt gekrabbelt. Aber so, wie kleine Kinder sich ihre Welt erschließen, unbeirrt und oft von einem Schutzengel umsorgt, so wird auch Gottes Friede seinen Weg zu uns finden. Das Ziel ist großartig, universal und unglaublich:  „dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,  und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Philipper 2,10) Der 1. Januar 2021 hat begonnen, wie der 31.Dezember geendet hat - mit beängstigend hohen Infekitonszahlen trotz mehrwöchigen Lockdowns. Das Corona - Virus hat uns immer noch im Griff. Corona - der Name macht mir Angst. Und nicht nur dieser. Wie gut, dass es einen Namen gibt, der Hoffnung und Trost spendet. Wann immer die Angst nach uns greift, wollen wir ihr diesen Namen entgegen setzen. Der Name, der Leben, Hoffnung und Zukunft in sich birgt - Jesus Christus.


Ich will euch trösten - Gedanken zum Jahreswechsel

"Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet"  - das war die Jahreslosung von 2016. Dazu habe ich damals die folgende Andacht geschrieben:

„Also, ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr am Silvesterabend in die Kirche gehen werde!“ ratlos legt sie den Gemeindebrief mit den Gottesdienstzeiten beiseite. Normalerweise hält sie das für einen würdigen Abschluss des alten Jahres: noch einmal Rückschau zu halten auf das was war - und Gott zu danken für die letzten zwölf Monate. Aber mit der Dankbarkeit hat sie in diesem Jahr ihre Probleme. Zu viel ist geschehen. Im Frühjahr ist ihre Oma gestorben. Zugegeben, sie hatte ein gesegnetes Alter erreicht und war nach einer langen Krankheit friedlich eingeschlafen. Die Großmutter hatte sie nach dem frühen Tod der Eltern bei sich aufgenommen. „Ich vermisse dich so sehr. Du warst immer für mich da, Omi““ seufzt sie und spürt, wie ihr die Tränen wieder in die Augen steigen. Das war nicht das einzige Unglück in diesem Jahr.  Im Sommer hatte sie einen schlimmen Autounfall gehabt. Totalschaden. Sechs lange Wochen war sie aus dem Verkehr gezogen - durch Krankenhausaufenthalt und Reha - Maßnahmen. Dazu der Versicherungskram und schließlich der Brief vom Gericht. Der Unfall würde ein juristisches Nachspiel haben. Damit war es aber noch nicht genug. „Wir haben uns auseinander gelebt!“ Mit diesen Worten war ihr Freund kurz vor Weihnachten aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Allein wird sie die Miete nicht bezahlen können. Sie wird sich wohl was anderes suchen müssen. Nein, das war kein gutes Jahr. Wofür sollte sie Gott also danken? Da fällt ihr Blick auf ein Kärtchen. Sie hatte es sich zum Anfang des Jahres in ihr Gesangbuch gesteckt. Es ist ein Wort des Propheten Jesaja: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet…“ liest sie. Wie tröstet einen die Mutter? Ob sie ihr Kind in die Arme nimmt, ob sie ihm liebe Worte ins Ohr flüstert und über den Kopf streicht? Sie weiß es nicht. Sie kann sich an ihre Mutter nicht mehr erinnern. Aber ihre Großmutter hatte das immer so gemacht! „Ach Gott“, fragt sie seufzend, „wann hast du mich eigentlich getröstet in diesem Jahr?“ Da fällt ihr die Nachtschwester aus dem Pflegeheim ein. Die hatte  sie einmal spontan in den Arm genommen, als sie eine ganze Nacht lang am Bett der Großmutter saß. Wie gut sich das angefühlt hatte, diese Umarmung. Auch an ihre Freundin muss sie denken. Sie erinnert sich: „Als ich im Krankenhaus lag, hat sie mich täglich besucht und mir Mut gemacht.“ Anscheinend tröstet Gott am liebsten  durch Menschen, die er uns in schweren Zeiten zur Seite stellt. Und da hatte es in diesem Jahr doch einige gegeben. Als ihr das klar wird, muss sie lächeln. Sie weiß,  dass es auch in diesem Jahr  etwas gibt, wofür sie Gott dankbar sein kann. „Wann war doch gleich der Gottesdienst? Ich glaub, ich geh doch noch  hin.“


Die Heilige Familie

Am Sonntag nach Weihnachten wird in vielen Gottesdiensten der Heiligen Familie gedacht - gemeint sind Josef und Maria mit dem Jesuskind. Die Ikone mit der Heiligen Familie begleitet mich durch die Weihnachtszeit. Wir sehen Maria, Josef und das Jesuskind. Die Eltern neigen die Köpfe einander zu, zärtlich und vertraut, wie Liebende. Das Jesuskind blickt mich wach und aufmunternd an. Aus der Geborgenheit heraus, die es in den Armen der Eltern findet, hebt es die Hand und segnet mich, den Betrachter. In sich versunken, nachdenklich, vielleicht sogar besorgt wirken die Eltern, ein Lächeln deutet sich  auf dem Gesicht des Kindes an. Die biblischen Geschichten, die wir bei Matthäus und Lukas lesen, erklären uns, warum es sich hier zwar um eine heilige, keineswegs aber um eine „heile“ Familie handelt. Ihre Geschichte ist alles andere als harmonisch. Unter erschwerten Bedingungen ist der Herr in diese Welt hineingeboren worden, ein Stall musste als Geburtsort und eine Futterkrippe als Wiege genügen. Ein Mordbefehl des Königs Herodes erzwingt die Flucht der Familie nach Ägypten und das Leben im Exil. So gesehen hatte Jesus keine einfache Kindheit. Die Ikone berührt mein Herz und weist über diese äußere Deutung hinaus. Ich glaube, sie deutet  die Größe und Tiefe des göttlichen Geheimnisses an, das wir verehren und das sich uns in den Festen des Kirchenjahres erschließt. Wir sehen Josef, den Mann. Er erinnert mich an die Treue und Verlässlichkeit Gottes - auch unter erschwerten Bedingungen, wenn Zweifel und Anfechtungen an mir nagen. Ich darf mich auf Gottes Liebe verlassen, wie sich Maria auf Josef verlassen konnte. Maria hingegen erinnert mich an die mütterliche, die weibliche Seite Gottes. Sie steht für die Zärtlichkeit und Zartheit der göttlichen Liebe, die mir ins Herz gelegt wird. Und das Kind weist hin auf den steten Aufbruch, das Neue, die Veränderung. Gott will in diese Welt hineingeboren werden, er will auch in mir geboren werden, in mir Mensch werden. „Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren, / komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! / Wohne in mir, / mach mich ganz eines mit dir, / der du mich liebend erkoren“ konnte Gerhard Teersteegen beten (EG41,7). Auf ein schönes Detail hat mich ein Mitbetrachter der Ikone hingewiesen: die Hände der drei Personen berühren sich zärtlich. So unterschiedlich sie sind, bilden sie so doch eine Mitte, finden zu einer Einheit durch diese Berührung. Es sind also drei unterschiedliche Personen, die doch eines sind. Im Schutz der Heiligen Familie kann ich es wagen, interessiert und vertrauensvoll die neuen Wege zu gehen, die Gott mich führen will, kann ich mich auf stete Veränderungen einlassen, auch im Glauben. Keine ausgewogene Erklärung ist das, hinterfragbar und anfechtbar, gewiss. Eine Ikone ist mehr als nur ein Bild. Sie führt mich ins Staunen und darüber hinaus in die Anbetung, eine Haltung, die alles Erklären und Deuten hinter sich lässt.




Muss Weihnachten gerettet werden?

Vor Kurzem flatterten mir wieder einmal eine Reihe von Werbeprospekten ins Haus. Darunter auch von einem christlichen Verlag. Der hat mit folgenden Worten das neueste Werk eines beliebten Autors angepriesen: „Dieses Buch rettet Weihnachten!“  Muss denn Weihnachten überhaupt gerettet werden, fragte ich mich. Wenn ich demnächst meine Weihnachtskrippe aufstellen und die Figuren dazu auspacke werde, kann ich Jesus, Maria und Josef danach befragen, dachte ich mir. Ob sie mir eine Antwort geben? Ich war mir nicht sicher. Die Frage, ob Weihnachten gerettet werden müsse, hat mich bis in den Schlaf hinein verfolgt. Im Traum habe ich die Kartons mit den Krippenfiguren vom Dachboden geholt und im Wohnzimmer ausgepackt. Was war das für ein frohes Wiedersehen mit alten Bekannten. Das Jesuskind wäre mir allerdings vor Schreck beinahe aus der Hand gefallen. Mir war, als hätte es mir zugezwinkert und dann zu sprechen begonnen: „Ihr Menschen müsst Weihnachten gewiss nicht retten. Warum glaubst du, bin ich in einem Stall geboren und von den Soldaten des Herodes beinahe umgebracht worden, warum bin ich wohl mit meinen Eltern nach Ägypten geflohen, warum habe ich mich später immer wieder mit den Pharisäern und Priestern angelegt? Und weshalb bin ich schließlich unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden? Gewiss nicht für ein paar rührselige Stunden unter dem Tannenbaum! Ich bin gekommen, um euch Menschen beizustehen, wenn ihr euch von Gott und der Welt verlassen fühlt. Ich will euch Mut machen, wenn ihr Angst habt und euch trösten, wenn ihr traurig seid. Kurz gesagt, ich will euch den Weg in ein erfülltes Leben zeigen. Lasst mich also ankommen in eurem Leben, dann ist Weihnachten gerettet.“ Bei diesen Worten bin ich aufgewacht. Wie kann ich ihn ankommen lassen, in mein Leben? Da fällt mir die Liedstrophe ein, die ich im Advent gerne gesungen habe: „Ach mache du mich Armen, zu dieser heil’gen Zeit, aus Güte und Erbarmen, Herr Jesus, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.“ Das Lied heißt „Mit Ernst, o Menschenkinder“. Mit seinen Worten will ich ihn einladen, den Herrn der Welt, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Ich bin mir sicher, wenn er bei mir ankommt, ist weit mehr als nur ein Fest gerettet.


Eine Nachricht, die froh stimmt - zum 4. Advent

Manchmal tauchen Textnachrichten auf dem Display meines Smartphones auf, die sind so überflüssig wie ein Kropf. Die werden schnell gelöscht. Andere kommen gerade zur rechten Zeit. „Bleib gesund,“ lese ich und freue mich. Da denkt jemand in diesen Tagen an mich und wünscht mir Gutes. Der Wochenspruch für den 4.Advent ist  eine Textnachricht, die mich  froh stimmt. Die lese ich nicht auf dem Handy, sondern in der Bibel und höre sie im Gottesdienst. „Freuet euch in dem Herrn, allewege, und abermals sage ich: freuet euch. Der Herr ist nahe!“ Der Absender ist  Paulus. Der hatte eigentlich keinen Grund, sich zu freuen. Er saß im Gefängnis. Ob er  jemals wieder freikommen würde - niemand wusste das. Paulus hätte allen Grund gehabt, den Kopf hängen zu lassen. Doch er freut sich und lässt die Gemeinde in Philippi an seiner Freude teilhaben. Deshalb schreibt er ihnen einen Brief. "Der Herr ist nahe!" Das ist der Grund für die Freude, die auch von Gefängnismauern nicht eingedämmt werden kann. Der Herr kommt und wir werden bei ihm sein. Heute geht diese Nachricht an uns. Ursprünglich auf Papyrus geschrieben, dann gedruckt und vervielfältigt und schließlich mit Hilfe digitaler Medien will  die Botschaft uns erreichen: der Herr ist nahe. Lass ihn ankommen bei dir. Lass ihn in dein Herz. Mit ihm kommt die Freude.


Adventszeit ist Baustellenzeit - zum 3.Advent

Hatten Sie schon einmal eine Baustelle direkt vor dem Haus, in dem Sie wohnen? Dann können Sie sich die folgende Szenen vorstellen:  der  LKW kippt die Pflastersteine von der Ladefläche  auf die Straße und die Fensterscheiben im Wohnzimmer beginnen zu klirren.  Wenn der Bagger  draußen zum Einsatz kommt, vibriert  der Schreibtisch im Büro. Vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag der Krach von Straßenfräse und Planierraupe. Das nervt.  Es ist kaum zu ertragen.  „Wie lange sie wohl  vor meinem Haus bleibt, die Baustelle?“ frage ich die Arbeiter, während sie Brotzeit machen. Der eine  zuckt mit den Schultern und wirft seine Zigarettenkippe zu Boden. Der andere winkt mit der Hand ab. „Vielleicht noch eine  Woche oder auch zwei…“, meint er und fügt hinzu: „Wenn das Wetter mitspielt!“ Irgendwann aber ist die Arbeit getan. Dann werden die  Baustellenschilder auf den Lastwagen geworfen, die Absperrung wird aufgehoben. Der Weg ist bereitet.  An diese Baustelle denke ich, wenn ich ein Bibelwort höre, das uns in der Adventszeit begegnet:  „Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig!“ (Jesaja 40,3.10) Der Täufer Johannes hat das Prophetenwort den Menschen zugerufen, die zu ihm an den Jordan gekommen sind, um sich taufen zu lassen. Ein seltsamer Vergleich?  Eine Baustelle macht Lärm. Die Adventszeit aber soll eine stille Zeit sein! Wie passt das zusammen?  Ursprünglich ist der Advent eine Fastenzeit, eine Zeit der Klärung, der Wegbereitung. Advent bedeutet Ankunft. Gott will zu uns Menschen kommen. Wir sollen in dieser Zeit die Hindernisse beiseite räumen, die im Weg stehen, damit er bei uns ankommen kann. „Was sollen wir tun?“ fragten die Menschen den Täufer Johannes. „Ändert euer Leben!“ hat er ihnen zur Antwort gegeben. Mit anderen Worten: „Tut Buße!“ Adventszeit ist also „Baustellenzeit“ für die Seele.  Nützen wir sie, diese Zeit, bereiten wir dem Herrn den Weg. Damit seiner Ankunft nichts im Weg steht, damit er ankommen kann in unserem Herzen.


Die Erlösung naht! Schaut hin! Seht auf! Zum 2.Advent

"Seht auf und erhebt eure Häupter!, weil sich eure Erlösung naht“ - das Wort aus dem Lukasevangelium begleitet uns durch die 2. Woche im Advent. Die Erlösung naht!  Was für eine Botschaft. Erlösung, in dem Begriff verborgen ist das Bild der Befreiung. Ich soll los, ich soll frei werden. Wovon sollen wir erlöst werden? Gerade die dunkle Jahreszeit macht vielen Menschen zu schaffen. Die Dunkelheit steht für Trauer, für Verlust, für Angst. Ich werde mir der Endlichkeit meines Lebens bewusst. Da sind Menschen, die gestorben sind, Gerade jetzt wird mir bewusst, wie sehr sie mir fehlen. Ich fühle mich hilflos, dem Tod ausgeliefert. Ausgeliefert auch allem, was zum Tod dazu gehört - der Angst, der Einsamkeit, den Tränen.  Da hören wir diesen Ruf: Seht auf. Die Erlösung naht. Die Rettung. Seht auf und erhebt eure Häupter. Eure Erlösung ist nahe! Doch wie naht sie sich? Wo ist sie zu finden, die Erlösung? Wo müssen wir sie suchen? An Weihnachten feiern wir die Geburt eines Kindes. Es wird unter ärmlichen Bedingungen geboren, in einem Stall, wo man normalerweise die Tiere unterbringt. Wenn wir nach Erlösung Ausschau halten, müssen wir nach unten sehen, dort, wo wir sie am wenigsten vermuten. Und zu einer Zeit, in der wir am wenigsten damit rechnen. Ist das nicht paradox?  Wenn Lukas sagt, dass wir aufsehen sollen, macht er uns zunächst einmal Mut, den Blick über den Tellerrand zu heben, über den eigenen Horizont, um das Unmögliche für möglich zu halten - dass Gott mir dort begegnet, wo ich es am wenigsten vermute