"Gott nahe zu sein ist gut für mich ..."  Psalm 73,28





Gedanken zum Wochenspruch                                                               (1. Sonntag nach Trinitatis)

„Wer euch hört, der hört mich und wer euch verachtet, der verachtet mich!“ Dieses Wort beschließt nach Meinung vieler Ausleger eine Rede, mit der Jesus die Jünger aussendet. Sie sollen zu den Menschen gehen, um ihnen in seinem Auftrag die Botschaft vom nahen Reich Gottes zu überbringen. Ob ihnen bewusst war, welche Verantwortung sie damit haben?  Sie sollen zum Mund Jesu werden. Jesus will durch sie sprechen. „Wer euch hört, der hört mich!“ Jesus stellt sich hinter seine Jünger. Er ermutigt sie, aus der Deckung zu gehen, in seinem Namen zu sprechen, davon zu erzählen, was sie selbst gesehen und erfahren haben. Ob dieser Auftrag auch uns gilt? Ich denke schon. Wir sind aufgerufen, in der Nachfolge Jesu zu leben und unseren Glauben öffentlich zu vertreten, an den Orten, an denen wir leben und mit Hilfe der Medien, die uns zur Verfügung stehen. Wer allerdings die Worte Jesu im Mund führt, soll auch selbst danach leben. Das soll man schon daran merken, wie die heutigen Jünger und Jüngerinnen Jesu leben und vor allem, wie sie miteinander kommunizieren. Achten wir  also auf unseren Wortschatz! Wie reden wir miteinander und wie reden wir übereinander, vor allem, wenn es darum geht, die Botschaft Jesu weiterzusagen, die Gute Nachricht von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Es geht dabei nicht um eine oberflächliche „Nettiquette“. Es geht um Respekt, Wertschätzung und Menschenwürde. Diese Werte gehen vor allem in den sogenannten „sozialen“ Netzwerken häufig dadurch verloren, dass häufig zuerst gepostet und erst später nachgedacht wird (wenn überhaupt). So finden Kommentare und Bemerkungen ihren Weg ins Netz und damit an die Öffentlichkeit, die dort eigentlich nichts verloren haben. Schnelle Reaktion und aktuelle Präsenz, kontroverse Aussprache und Diskussion sind zwar wünschenswert und dienen der Meinungsbildung. Manchmal wäre es aber doch nicht so verkehrt, eine alte Regel zu beherzigen, die noch aus „vordigitaler“ Zeit stammt,  vor der Veröffentlichung erstmal eine Nacht darüber zu schlafen. „Wer euch hört, der hört mich!“ sagt Jesus. Eine Leitfrage könnte sein: Könnte Jesus das unterschreiben, was  ich meine, in seinem Namen sagen zu müssen? Im Zweifelsfall könnte die Mahnung des spätrömischen Philosophen Boethius (+524/26) hilfreich sein: „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du Philosoph geblieben.“