Gott nahe zu sein ist gut für mich...   Psalm 73,28





 

Die göttliche Seite Jesu. Zum letzten Sonntag nach Epiphanias
Mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias schließt sich der Kreis um das Weihnachtsfest. Im Evangelium für diesen Sonntag hören wir, wie Jesus mit seinen Jüngern auf einen Berg steigt. Dort geschieht etwas seltsames. Es wird erzählt, dass auf einmal das Angesicht Jesu wie die Sonne geleuchtet habe. Die Jünger hörten eine Stimme sagen: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“  Verklärung bedeutet hier, dass den Jüngern eine Seite Jesu gezeigt wird, die sie bis dahin noch nicht wahrgenommen, höchstens geahnt haben, seine göttliche Seite. Wie bei der Taufe im Jordan, bekennt sich Gott erneut zu Jesus. Jesus ist nicht nur wahrer Mensch, er ist auch wahrer Gott. Das erfahren die Jünger an diesem Ort. Das haut sie buchstäblich um. Sie fallen zu Boden, geblendet vom Licht. Sie sind verwirrt, eingeschüchtert, wie benommen. Niemanden sollen sie erzählen, was sie erlebt haben, schärft ihnen Jesus später ein. Es ist auch schwer zu glauben. Erst nach Ostern soll die Welt von der göttlichen Seite Jesu erfahren. "Du bist mein lieber Sohn. Du bist meine liebe Tochter!" Auch wir bekommen das zugesagt. In der Taufe nimmt uns Gott an Kindes Statt an. Auch auf unserem Leben liegt ein besonderer, ein göttlicher Glanz. Vielleicht dürfen wir den Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Jesaja als Kommentar dazu verstehen: „Über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir!“ Ist es nicht herrlich, ein geliebtes Kind zu sein, ist es nicht wunderbar, sich als Sohn und als Tochter Gottes verstehen zu dürfen?


 Grenzüberschreitung - Gedanken zum 3. Sonntag nach Epiphanias


„Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“ lesen wir beim Evangelisten Lukas. Das war als Mahnung für jene gedacht, die glaubten, dass nur sie ein Anrecht hätten auf einen Sitzplatz an Gottes Tafel, weil sie einem besonderen Volk angehörten. „Bildet euch bloß nichts darauf ein“, höre ich den Evangelisten sagen.  „An Gottes Tisch werden weitaus mehr Menschen Platz haben, als  ihr euch vorstellen könnt. Von allen Enden der Erde werden sie ins Reich Gottes strömen!“  Anschaulich wird das in der Weihnachtskrippe, die in diesen Tagen noch in vielen Gotteshäusern aufgebaut ist. Da knien einfache jüdische Hirten neben vornehmen heidnischen Sterndeutern. Sie werden eins in der Anbetung des Kindes. Die Unterschiede von Bildung, Herkunft , Glauben oder sozialen Status spielen da keine Rolle mehr, ebensowenig wie Vorurteile. Sollte deshalb nicht die Zusage genügen, dass ein Platz an der Tafel Gottes für mich freigehalten wird? Wer sonst noch neben mir sitzt, kann mir herzlich egal sein. Vielleicht werden die anderen ja nicht weniger überrascht sein, mich dort anzutreffen, jemanden, mit dem sie an diesem Ort absolut nicht gerechnet haben? Wäre also der Gottesdienst in dieser Welt nicht ein „Übungsfeld“, um den Sprung über den eigenen Schatten zu wagen?