Gott nahe zu sein ist mein Glück.   Psalm 73,28



 



Sieghafter Glaube? Gedanken zum 17. Sonntag nach Trinitatis

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“  Mit diesem Wort aus dem 1. Johannesbrief gehen wir am Sonntag in die 17. Woche nach Trinitatis. Und vielleicht mit einer Frage, einem leisen Zweifel. Ist das wirklich so? Ist unser Glaube wirklich so sieghaft - und kann er sich wehren? Die Welt steht hier „symbolisch“ für eine Macht, die mich bedrängt , die absoluten  Anspruch auf mich, auf mein Leben und Denken erhebt. Täglich muss ich Entscheidungen treffen. Manchmal haben sie erhebliche Folgen für mein Leben. Woran richte ich mich dabei?  Die Vertreter der „Welt“ wiollen mir einreden, dass Christsein  etwas für Gutmenschen ist, die man belächeln kann und ansonsten nicht weiter  ernst nehmen muss, weil sie ja so naiv sind. An erster Stelle steht in der Welt der Erfolg, das persönliche Wohlergehen, durchaus auch gelegentlich  auf Kosten der anderen. Es gilt, was mir nützt.  Der Glaube überwindet aber diese Denkweise und setzt andere Prioritäten. Gott tritt an die erste Stelle. Sein Wort und sein Wille sind maßgeblich. Weil der Begriff „Gott“ jedoch zu abstrakt ist, und damit Gottes Wille dem Menschen in Fleisch und Blut übergehen kann, ist Gott selbst in Fleisch und Blut übergegangen und Mensch geworden. Der Glaube an Gott ist für uns Christen immer auch der Glaube an den menschgewordenen Gottessohn, ist immer eine lebendige Beziehung. Wie äußert sie sich? Durch das Gebet.  Der Glaube lebt aus dem Gebet und äußert sich im Bekenntnis. Der Glaube scheut auch nicht den Konflikt, die Auseinandersetzung mit der „Welt“, wenn es um die Wahrheit geht, um das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Folgen, die sich daraus ergeben. Die Herausforderung für uns Christen besteht darin, sich diesem Konflikt im Alltag zu stellen und sich den Anforderungen der Welt, ihren Gesetzmäßigkeiten, wenn nötig, auch zu widersetzen. Es gilt, der entlarvenden Frage nicht auszuweichen: Was ist maßgeblich in meinem Leben? Welchen Ansprüchen suche ich zu genügen? Gelingt mir das Wagnis des Glaubens? Wage ich es, mich und mein Leben in Gottes Hand zu legen? Wage ich es, mich Jesus Christus anzuvertrauen? Lasse ich es zu, dass meine  letzte Sicherheit seine Liebe zu mir ist? Überlasse ich ihm die letzte Entscheidung, das letzte Wort. Meine ich es ernst, wenn ich bete: „Dein Wille geschehe?“ Eine Reihe von Fragen, die der Klärung bedürfen. Der Wochenspruch fordert uns auf, dass wir uns dafür die Zeit nehmen, jeder für sich, an jedem Tag aufs Neue.