Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73,28)



Der Heilige Geist in unserer Kirche? Zum Pfingstsonntag

Als Jesus getauft wurde, tat sich der Himmel auf und der Heilige Geist kam wie  eine Taube auf ihn herab.(Mt.3,16). Deshalb habe ich mich heute auf die Suche nach einer Taube in unserer Hafenpreppacher Kirche gemacht - vergeblich, zunächst.  Verborgen im Kronleuchter, dessen Kerzen zu besondern Anlässen und an hohen Feiertagen im Gottesdienst angezündet werden, breitet ein gefiedertes Wesen seine Schwingen aus. Vielleicht doch eine Taube? Folgt man dem Propheten Jesaja und der kirchlichen Tradition sind die Gaben des Geistes: Weisheit, Rat, Verstand, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Damit kann es sich bei dem Tier in dem Kronleuchter nicht um den Heiligen Geist handeln. Hier fallen gelegentlich nur heiße Wachstropfen auf uns herunter. Somit müssen wir uns damit begnügen, dass der Heilige Geist sich jeglicher Darstellung entzieht und sich nur im Herzen wahrnehmen lässt. Diese frohmachende Wahrnehmung wünsche ich allen an diesem Pfingstfest!



Exaudi - Höre! Zum 6.Sonntag nach Ostern

Wie gerne suche ich tagsüber die Kirche auf. Ich setzte mich für einen Moment in eine Bank und schweige und lausche. Was es da nicht alles zu hören gibt. Das Auto, das draußen vorbeifährt. Kinder, die in der Nachbarschaft miteinander spielen, das Knacken der Holzbänke. Ich lausche und höre. Vielleicht folge ich damit dem Aufruf des kommenden Sonntags. Exaudi heißt dieser Sonntag, zu deutsch: Höre! Das bezieht sich auf ein Psalmwort: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe!“ Da ist Gott gemeint. Wir bitten Gott, er möge doch hören, wenn wir beten. Umgekehrt wird auch der Mensch aufgefordert, zu hören, wenn Gott spricht. „Rede Herr, denn dein Knecht hört!“ Das sagt der junge Samuel, als Gott ihn im Tempel ruft. Mir tut die Stille im Gotteshaus gut. Sie hilft mir, hörfähig zu werden.  Ich glaube, Gott spricht mit leiser Stimme. Er brüllt einen nicht die Ohren voll. Der Prophet Elia hat das so erlebt. Am Berg Horeb sollte er sich auf eine Begegnung mit Gott vorbereiten. Und Gott kommt.Aber er war nicht im Sturmwind, der sich erhob, er war weder im Feuer nach dem Sturm, noch im Erdbeben, das auf dem Sturm folgte.Schließlich konnte Elia ein sanftes Säuseln wahrnehmen, vielleicht den Hauch einer Stimme? Die Übersetzung von Buber-Rosenzweig  nennt das, was Elia wahrgenommen hat „eine Stimme verschwebenden Schweigens.“  „Als Elia das hörte“, lesen wir in der Bibel, „verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel.“ Elia hatte verstanden. Gott will die Menschen nicht überwältigen und auch nicht in Grund und Boden reden. Gott spricht mit leiser Stimme. Deswegen tut es der Seele gut, wenn sie  sich darauf einstellt, wenn sie die Stille sucht und lauscht und wartet, geduldig und doch gewiss, dass beides geschieht: dass Gott hört und auch, dass ich  seine sanfte Stimme wahrnehme. Exaudi! Höre! Geben wir  der Seele die Chance, dass sie hören kann, wenn Gott zu ihr sprechen möchte. Schenken wir uns die Zeit. Hören wir auf die sanfte Stimme, mit der Gott uns ruft.




Rogate! Betet! Die Glocken von Altenstein ermutigen zum Gebet!

Bald ist es soweit, bald sollen sie läuten, die neuen Glocken. Wie lange haben wir darauf gewartet. Ich bin neulich gefragt worden: Jetzt, wo sie da sind, warum sie denn erst in die Kirche gestellt werden? Man hätte sie doch gleich nach der Lieferung in den Glockenturm bringen können. Aber Glocken sind nicht nur Gebrauchs-gegenstände. Es sind Instrumente. Sie haben eine Aufgabe. Wenn sie läuten, sollen sie das zur Ehre Gottes tun und zur Stärkung unseres Glaubens, zum Trost, zur Mahnung und zur Ermutigung. Deshalb wollen wir Gott um seinen Segen bitten. Auf den Glocken stehen Bibelworte. Die sagen etwas aus über ihre Funktion, ihren Dienst. „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erde Friede bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ Das Wort aus dem Weihnachtsevangelium ist auf der Großen Glocke zu lesen. Das haben die Engel in der Heiligen Nacht gesungen, voll Freude über die Geburt Jesu in Bethlehem. In ihren Lobruf stimmen wir jeden Sonntag ein, wenn wir das Gloria anstimmen. Zum Gebet ermutigt uns die mittlere Glocke. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet“. Auch ein Lobruf. Er steht im 66.Psalm. Wir hören ihn auch als Wochenspruch am Sonntag Rogate. Wir stoßen nicht auf taube Ohren. Daran erinnert uns künftig die Glocke mit ihrem Läuten. Und schließlich ist da noch die kleine Glocke aus dem Jahr 1922. Sie legt uns den Heilandsruf ans Herz: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ Wenn die Glocken läuten, allein oder zu dritt, weisen sie uns auf etwas hin: Schutz, Zuflucht, Trost, Ermutigung und Stärkung finden wir bei Gott - nicht nur in der Kirche sondern auch im Alltag. Dafür danken wir Gott in diesem Gottesdienst. Wie gut, dass wir jetzt wieder auch durch das Läuten daran erinnert werden, wie nahe uns Gott im Alltag kommen will.



Kantate!“ „Singt“

Der 4. Sonntag nach Ostern fordert uns dazu auf und ebenso der Beter des 98.Psalms: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Singet! Wie soll das gehen, mit so einem Stück Stoff vor dem Mund? An diesem Sonntag werden wir nach langer Zeit wieder Gottesdienst feiern - allerdings unter besonderen Auflagen. Abstand statt Nähe, mit einem Schutz vor Mund und Nase und mit eingeschränktem Gesang. Steht das nicht im Widerspruch zu dieser Aufforderung? „Singet dem Herrn ein neues Lied?“ Doch - wo steht eigentlich geschrieben, dass unsere Lieder stets laut und immer fröhlich sein müssen? Vielleicht ist das jetzt die Zeit, in der wir nicht mit lauter Stimme singen, sondern verhaltener und leiser. Mir wird in diesen Tagen immer mehr bewusst, was wir verloren haben durch die Einschränkungen.  Das macht mich traurig. Vielleicht hat das neue Lied dieser Tage getragenere Töne als sonst. „Merke auf mein Seufzen …“ heißt es in einem anderen Psalm. Gott hört auch mein Seufzen und nimmt es als Lied an. Eines aber soll nicht unter den Tisch fallen. Im 98.Psalm wird auch gesagt, warum wir Gott ein neues Lied singen sollen. „Denn er tut Wunder“ . Das größte Wunder aller Zeiten haben wir an Ostern gefeiert - die Auferstehung Jesu. Das ist die Botschaft des neuen Liedes. Sie findet ihren Weg zu den Menschen, denen die Todesangst die Hand vor den Mund gelegt hat. Sie findet ihren Weg zu den Jüngern. Und durch die Jünger auch zu uns:  Der Herr ist auferstanden. Er lebt und wir sollen auch leben. Es mag ja sein, dass dieses neue Lied etwas dumpfer klingt, wenn man eine Stoffmaske vor dem Mund trägt. Die Botschaft ändert sich nicht. Das Leben findet seinen Weg auch zu uns. Wir haben Grund, ein neues Lied zu singen. Ein Lied der Hoffnung und des Lebens.






Jubilate - Jauchzt dem Herrn!

Der 3. Sonntag in der Osterzeit heißt Jubilate! Zu deutsch: Jubelt. So beginnt der 66. Psalm. Martin Luther hat ihn mit folgenden Worten übersetzt: „Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens. Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“ Wie gut mir dieser Aufruf tut. Gerade in dieser Zeit, die so von Angst geprägt ist. Der Psalm lenkt meinen Blick auf die Schönheit dieser Welt.
Ich glaube, das uns in den letzten Wochen der Blick dafür durch die  Furcht vor dem Corona-Virus und seinen Folgen verstellt wurde. Aber es gibt sie noch, die Wunder der Natur, die Spuren der Hoffnung und der Freude. Auch in unserem Alltag. Ich zum Beispiel freue mich jeden Morgen am Gesang, mit dem die Vögel den neuen Tag begrüßen. Ich liebe das frische Grün der Bäume und den Geruch des blühenden Flieders.  Und dann kann ich den Psalmbeter auf einmalverstehen, wenn er uns auffordert: „Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“ Durch die neue Woche begleitet uns ein Wort des Apostel Paulus. Er schreibt von einer neuen Schöpfung Gottes und er meint uns damit: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen. Siehe, Neues ist geworden.“ Da ist etwas neues im Anbruch und wir sollen ein Teil dieses Neuen sein. Die erwachende und erblühende Natur wird zum Fingerzeig auf das neue Leben, das Gott für uns bereit hält. Den Anbruch dieses neuen Lebens haben wir an Ostern mit der Auferstehung Jesu gefeiert. Die alte Welt mit ihren Bedrohungen und Ängsten mag uns immer noch erschrecken. Das stimmt. Und doch haben wir Zeichen, die uns froh stimmen. Zeichen des Lebens. Gott ist stärker als der Tod. Gott ist stärker als die Angst, die mich im Griff hat. Deshalb:Jauchzet Gott alle Lande. Lobsinget zur Ehre seines Namens. Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“




Zum "Hirtensonntag"                     

(Sonntag Misericordias Domini)

„Ich bin der Gute Hirte!“ Das sagt Jesus im Evangelium am 2. Sonntag nach Ostern. Deshalb wird dieser Sonntag auch „Hirtensonntag“ genannt. Ein guter Hirte sorgt für seine Herde, er wendet Schaden von ihr ab, er achtet auf jedes einzelne seiner Tiere. So ist Gott, wie ein fürsorglicher Hirte. Diese Glaubenserfahrung hat das Gottesvolk immer wieder gemacht. Und wir teilen sie mit Israel. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ Wie oft haben wir den 23.Psalm in dieser Kirche schon gebetet. Nach Ostern gibt der Auferstandene seinem Apostel Petrus einen Auftrag: „Weide meine Herde!“ Dreimal sagt er das, so wichtig ist ihm dieser Auftrag. Er gilt bis heute. Er gilt allen, die wie Petrus Verantwortung für  andere Menschen tragen. Einer davon war der Altensteiner Pfarrer Conrad Feustling. 1552 kam er als junger Mann als Seelsorger an diesen Ort. 43 Jahre hat er hier gewirkt. Wo genau er begraben wurde, wissen wir nicht mehr. Sein Grabstein ist zur Erinnerung an ihn hier in unserer Kirche in die Wand eingelassen. Conrad Feustling hält die Bibel in der Hand. Ich stelle mir vor, dass sie sein Hirtenstab war, mit dem er die Gemeinde geführt hat. Manchmal hat er sich auch daran festgehalten. Immer dann, wenn ihm sein Dienst schwer gefallen ist. Seuchen, ein früher Tod, Krieg, Hunger und soziales Elend war für die Menschen im 16. Jahrhundert eine alltägliche Erfahrung. Heute hat die ganze Welt unter den Auswirkungen einer Pandemie zu leiden. Da möchte ich es wie Conrad Feustling machen. Ich halte mich fest an Gottes Wort. Vor allem an dem Zuspruch Jesu, der uns durch die neue Woche begleitet: „Ich bin der Gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme. Und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.“  Ich weiß, da ist jemand an meiner Seite, der auf mich Acht gibt und dafür sorgt, dass ich mich nicht verirre, wenn der Weg unübersichtlich wird.


Abschied von den alten Glocken
Eigentlich wollten wir uns am Sonntag nach Ostern in einem feierlichen Gottesdienst von unseren Glocken verabschieden. Am kommenden Montag werden sie demontiert und - wenn Gott will - werden zu Pfingsten die neugegossenen Glocken von dieser Stelle läuten. Es werden dann die „vierten“ Glocken sein, die hier in einem neuen Glockenstuhl ihre Heimat finden.  Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Gemeinde von ihren Glocken verabschieden musste. 1909 wurde die Kirche gebaut und sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg mussten zwei von drei Glocken hergeben werden. 1922 wurden zum zweiten und 1949 zum dritten Mal neue Glocken in diesem Kirchturm gebracht. Auch wenn ihre Lebensdauer von vornherein nur auf siebzig Jahre ausgelegt war, sind die Glocken den Altensteinern doch ans Herz gewachsen. Ein Menschenleben lang haben sie ihren Dienst getan, haben zu frohen und traurigen Anlässen geläutet, haben zum Gottesdienst gerufen, Pfarrer mit ihren Familien begrüßt und verabschiedet. Nein, diesmal werden sie nicht abgenommen, weil Krieg ist, sondern weil sie ausgedient haben. Trotzdem nehmen wir in einer kritischen Zeit von ihnen Abschied. Ein Virus hat das öffentliche Leben in unserem Land lahmgelegt. Deshalb können wir uns nicht in einem Gottesdienst verabschieden, wie sie das verdient hätten, unsere Glocken.  Wir werden aber mit großer Dankbarkeit und wohl auch mit  Wehmut dem letzten Geläut lauschen. Gewiss werden wir es nicht nur in unseren Tonarchiven, sondern vor allem auch in unseren Herzen bewahren. Und wir wünschen uns, dass die neuen Glocken dann über Jahrhunderte hinweg ausschließlich in Friedenszeiten zur Ehre Gottes läuten werden


Die Osterpredigt eines Mauerblümchens

Ostern 2020 - wie wird uns  dieses Fest in Erinnerung bleiben? Woran werden wir denken? An geschlossene Kirchen? An abgesagte Gottesdienste? An Kontaktverbote, Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen? Ich werde an eine kleine Pflanze denken. Die habe ich am Karfreitag bei strahlend schönem Wetter und frühsommerlichen Temperaturen während meines Spazierganges rund um die Altensteiner Burg entdeckt. Mutig hält sie ihr gelbes Blütenköpfchen in die Sonne. An einem langen grünen Stängel wächst sie aus eine Mauerritze hervor und setzt einen Farbtupfer in die steingraubraune Umgebung. Das Bild tut mir gut. Das Leben ist nicht aufzuhalten, denke ich mir. Man kann es nicht einsperren. Es findet immer einen Weg ans Licht. Die Pflanze erzählt mir von Ostern. Hat man nicht auch versucht, Jesus aus der Welt zu schaffen, ihn zu töten und sein Grab zu versiegeln, damit die Welt ihn möglichst schnell vergisst? Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Das haben die drei Frauen erfahren, die frühmorgens zum Grab gekommen sind. Voll Trauer und Sorge war ihr Herz. „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Diese Frage hat sie beschäftigt. Da sehen sie, dass der Zugang zum Grab längst offen und der Stein beiseite gerollt war. Und sie hören eine Botschaft, die ihr Leben von Grund auf verändert. „Ihr sucht Jesus? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Engel sind es, die sie darauf hinweisen. Das Leben lässt sich nicht in eine Grabhöhle einsperren und ebensowenig die Liebe Gottes zu uns Menschen. Wie tief doch die Sehnsucht nach diesem Leben in seiner Fülle und nach dieser Liebe uns verwurzelt ist! Gott hat sie uns ins Herz gelegt. Sie ist mindestens ebenso so stark wie die Sehnsucht der Pflanze nach der Sonne. Dieses Leben in seiner Fülle ist nicht aufzuhalten und ebensowenig die Liebe Gottes. In der Auferstehung Jesu hat sie den Sieg über den Tod errungen und über alles, was uns in diesem Leben Angst macht und unser Leben einschränkt.  Ich bin mir sicher: sie  wird auch in diesem Jahr Farbtupfer der Hoffnung in unser Leben setzen.


Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und von der Freude am Leben erfülltes Osterfest



Videogruß zum Anbruch der Osternacht

Es ist Karsamstag. Bald beginnt die Osternacht.
Zwei Nächte haben für uns Christen eine wichtige Bedeutung.
In der Christnacht  feiern wir die Geburt des Erlösers.
Gott kommt in die Welt.  Er wird Mensch unter Menschen.
Er geht den Weg der Menschen. Er geht hinein in unsere Vergänglichkeit, in unser Leid, in unseren Tod.
Er geht ihn für uns.
In der Osternacht  feiern wir eine neue  Geburt.
Gott ruft Jesus aus dem Grab  in ein neues Leben.
Der Apostel Paulus sagt dazu:  Christus ist auferweckt von den Toten  als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Wir sind berufen, Jesus zu folgen, seit seiner Auferstehung glauben wir,  dass unser Weg nicht am Grab endet.
Er mündet ein in das Leben bei Gott. Das Licht der Osterkerzen möge uns den Weg weisen. Es möge unseren Glauben stärken,
die Hoffnung festigen und die Liebe entzünden. Darum lasst uns beten zu dem,der uns Licht der Welt und Weg ins Leben geworden ist

Jesus Christus,  Sohn des lebendigen Gottes,
du bist das Licht der Welt, wenn wir jetzt die neuen Osterkerzen
für unsere Gemeinden  im Licht der alten Kerze entzünden,
so bitten wir dich: stärke uns in der Gewissheit,
dass du bei uns bist, in den hellen und in den trüben Tagen,
im Leid wie in der Freude. Ihr Licht + erfülle unsere Herzen,
wenn wir dein Wort hören, im Gebet versammelt sind,
wenn wir Gottesdienst feiern, Sei du selbst dann bei uns
und stärke unseren Glauben. Wir beten dich an,
du hast den Tod überwunden und uns den Weg ins Leben aufgetan. Du lebst und regierst mit dem Vater und dem Heiligen Geist Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Ich grüße euch alle mit dem alten Ostergruß: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja



Gott wird den Tisch wieder decken - zum Karfreitag

Am Karfreitag wird in unserer Kirche normalerweise nach dem Gottesdienst der Altar abgeräumt - die Altarbibel, die Kerzenleuchter, die Blumen verschwinden. Es bleibt der nackte Stein.
Der Anblick des bloßen Altars berührt mich immer wieder. Er erinnert mich daran, dass nichts von dem selbstverständlich ist, was zum Leben gehört, woran wir uns gewöhnt haben.
Er erinnert mich daran, dass uns all das genommen werden, woran wir hängen.
In diesem Jahr scheint es, als ob das kleine, unsichtbare Corona-VIrus unseren Altar längst abgeräumt hat, schon lange bevor wir es eigentlich bemerkt haben.
Beim Anblick des leeren Altars habe ich mich in den vergangenen Jahren immer damit getröstet, dass er ja am dritten Tag wieder gedeckt wird -
in der Osternacht, wenn wir die Botschaft von der Auferstehung Jesu hören.
 Auch den Gottesdienst zur Osternacht wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Osterkerze werden wir aber dennoch anzünden.
Sie wird den ganzen Tag über leuchten. Wer mag, kann eine kleine Osterkerze an ihr anzünden und mit nach Hause nehmen. Ihr Licht wird uns daran erinnern, dass am Ende das Leben siegt,
Dass Gott uns den Tisch des Lebens wieder deckt. Diese gute Nachricht wird auch an diesem Osterfest ihren Weg zu uns finden. Darauf vertraue ich.

10.4.2020


Ausgefallene Konfirmation  

Normalerweise würden die Bankreihen am Palmsonntag voll besetzt sein. Eltern, Großeltern, Paten, Geschwister und Freunde hätten sich für diesen Tag herausgeputzt, würden jetzt auf den für sie reservierten Plätzen sitzen und sich erheben, wenn die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit mir zum Gottesdienst hier einziehen. „Tut mir auf die schöne Pforte…“ würden wir singen, begleitet von den Klängen der Orgel und  der Musik vom Posaunenchor. Am Sonntag vor Ostern feiern wir Konfirmation in Altenstein. Ein besonderer Tag. Ein Jahr lang haben wir uns darauf vorbereitet - nicht nur die Jugendlichen. Auch ich - der Pfarrer. Auch für mich ist das ein wichtiger Tag. Gewiss - einige von den Jugendlichen würden in den Wochen danach erst einmal von der neuen Freiheit Gebrauch machen und am Sonntag ausschlafen, statt in die Kirche zu gehen. Nicht wenige sagen mir aber, dass ihnen diese Zeit der Vorbereitung und auch die Konfirmation viel bedeutet. Nun findet dieses Fest nicht  statt. Es wird verschoben auf den  Herbst, so Gott will. So geht es uns schon eine Weile: vieles, von dem, was uns bis jetzt selbstverständlich war, kann im Augenblick nicht stattfinden. Was trägt uns jetzt, was hält uns, was hilft uns in dieser Zeit des Stillstandes?  Firm sein ist ein altes Wort. Es bedeutet: sattelfest sein, in einer Sache bewandert sein. Wenn ich auf mich selbst schaue, bin ich mir nicht sicher, ob mein Glaube nicht auch Schaden nimmt, ob er nicht auch mit der Zeit austrocknet, wenn die Quellen versiegen: die Gottesdienste ausfallen, wenn kein Abendmahl gefeiert wird, wenn wir uns nur in ausreichender Distanz voneinander sehen und sprechen dürfen. In Luthers Kleinen Katechismus steht: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann…“ Es ist Gottes guter Geist, es ist der heilige Geist, der den Glauben in mir weckt und der ihn am Leben erhält. Darauf, dass Gott mich durch diese Zeit tragen wird, will ich  vertrauen. So gesehen ist jeder Tag Konfirmation. Wenn auch eine ganz und gar aufgefallene.

5.4.2020


Wenn mein Geist in Ängsten ist

„Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“ (Psalm 142,4) Vor wenigen Tagen habe ich dieses Bibelwort in den Herrnhuter Losungen gelesen. Ein Pfad ist ein kleiner Weg, den man leicht aus den Augen verlieren kann. Man muss schon genau aufpassen. Der Trampelpfad -  kann das ein Bild für unseren Lebensweg sein? Wie leicht kann ich im Alltag die Orientierung verlieren, wie schnell aus der Spur geraten, mich verzetteln. Angst ist dabei der denkbar schlechteste Wegbegleiter. Sie sorgt für eine eingeschränkte Wahrnehmung der Welt, in der ich lebe. Wenn mir klar wird, dass ich mich im Wald beim Spazierengehen verlaufen habe, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Der Wald verwandelt sich dann in einen bedrohlichen, unheimlichen Ort. Wie erleichtert ich dann bin, wenn ich wieder eine vertraute Wegmarkierung an einem Baum entdecke und  zurückfinde auf den vertrauten Weg. Ich denke, so ist es mit diesem Bibelwort. Es ist wie ein Hinweis, der mir die Angst nimmt und mir hilft, weiterzugehen. Gott kennt meinen Weg und er führt mich auch. Auf einmal kann ich wieder die Zeichen entdecken, die mir  gut tun auf diesem Weg:  der Gesang der Vögel in den Bäumen oder die ersten Blumen am Weg, die Zeichen des Lebens in einer Zeit des Stillstands.  „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.“ Gott sei Dank.



Was mir gut tut

„Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil…“ diese Aussage tut mir gut. Ein schlichtes Wort des Vertrauens und die einfache Melodie, zu der es gesungen oder gesummt werden kann, sind meine Wegbegleiter geworden in diesen Tagen. „Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind …“ , immer wieder rufe ich  mir diese Worte ins Bewusstsein. Vor allem dann, wenn ich Angst bekomme, weil die Bilder und Nachrichten zurzeit so beunruhigend sind. Dann spüre ich, wie Wort und Melodie in meiner Seele zu wirken beginnen. Sie rufen schöne Erinnerungen herbei. Ich denke an meine Mutter, die  ganze Nächte an meinem Bett saß, wenn ich krank war. Oder an meinen Vater. Wenn er dabei war, hab ich mich beim Baden auch ins tiefe Wasser getraut. Ich wusste ja, dass auf mich aufgepasst wird. Daran denke ich und muss lächeln. „Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil.“ Jacques Berthier aus Taizé verdanken wir die wunderbare Melodie zu diesen biblischen Worten, die vom Psalm 91 inspiriert sind. Ein Gottesgeschenk, in dieser Zeit, beides, das  Bibelwort und der Gesang aus Taizé. 

(PS - wer die Melodie hören möchte, wird im WWW sicher fündig),


Dem Wort  vertrauen - Mariä Verkündigung am 25.3.2020

Bis Ostern sollen sie blühen, die Kirschzweige. Jemand, der es gut mit mir meint, hat sie mir mitgebracht und auf den Tisch gestellt. Diese Zweige mit den noch kleinen, grünen Knospen machen mir Mut.  Hab Vertrauen! Es werden gewiss wieder andere Zeiten kommen! Vertrauen kann ich auch von der jungen Frau lernen, an die wir uns heute erinnern: Maria. Eine himmlische Begegnung hat ihr Leben durcheinander gewirbelt. Ein Engel ist ihr erschienen. Sie erfährt, dass sie ein Kind bekommen wird. Jesus soll sie es nennen. Mitten in unseren pandemischen Zeiten liegt dieser Gedenktag der Ankündigung der Geburt Jesu, kurz: Mariä Verkündigung. Maria hat dem Boten Gottes vertraut. Heute werden wir daran erinnert, dass Gott in dieser Welt eine Geschichte des Heils in Gang gesetzt hat, die nichts und niemand aufhalten kann und die sich am Ende gegen den Tod und seinen Erfüllungsgehilfen, die Angst, durchsetzt.  Wir werden heute daran erinnert, wie eine gute Nachricht ein Licht der Hoffnung in die dunklen Ecken unseres Daseins trägt, um die Hoffnung zum blühen zu bringen, wie den Kirschzweig. Vertrauen wir wie die junge Frau Maria diesem Zuspruch Gottes, der in der Bibel so häufig zu lesen ist. Es ist Gottes Botschaft an uns: „Fürchte dich nicht!“                                25.3.2020


Zum Sonntag Lätare  

Jeden Morgen weckt mich ein Vogel. Er sitzt im Baum vor meinem Schlafzimmerfenster und singt sein Lied. Die zarte, fröhliche Stimme lässt sich weder von frostigen Temperaturen noch von dem kalten Wind abhalten, der ums Haus weht. Dieser kleine gefiederte Freund macht mir mit seinem Gesang so viel Freude. Wie gut das tut, gerade in diesen Zeiten. Da gibt es so vieles, was mir Angst macht oder mich betrübt: zum Beispiel die Berichte über das Corona - Virus und die Folgen seiner Ausbreitung in unserem Land, die Fernsehbilder von verzweifelten Menschen im Niemandsland zwischen Griechenland und der Türkei oder die Sorge um das Weltklima. Doch dann höre ich diese kräftige Vogelstimme am frühen Morgen. Sie singt gegen alles Dunkle und Unheimliche an und erinnert mich daran, dass der Tag anbricht. Dazu fällt mir ein Satz des bengalischen Dichters Rabindranath Tagore (1861-1941) ein, der auch in unserem Evangelischen Gesangbuch steht: „Glaube ist wie ein Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist…“ (S.45) Das Lied dieses kleinen Vogels  macht mir Mut und ebenso der vierte Sonntag in der Fastenzeit. Er trägt den lateinischen Namen „Lätare“. Das bedeutet: „Freuet euch!“ Worüber können oder dürfen wir uns denn freuen, gerade in diesen Zeiten? Vielleicht gibt das Lied darauf eine Antwort, das an diesem Sonntag gesungen wird: „Jesu, meine Freude!“ (Nr. 396) Da heißt es in der zweiten Strophe: „Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen / aller Feinde frei…Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.“ Wenn wir Angst haben, wissen wir, an wen wir uns wenden können, wo wir Zuflucht und Trost finden, Schutz und Geborgenheit. Machen wir es dem kleinen Vogel nach. Singen wir unsere Lieder der Hoffnung. Singen wir, wenn es noch dunkel ist. Der Sonntag Lätare erinnert daran: wir gehen nicht dem Untergang entgegen, sondern österlichen Zeiten!                                                                


Was am Ende zählt - zum Sonntag Okuli

Wenn ich in der nahe gelegenen Stadt zu tun habe, führt mich mein Weg durch die Passage einer Häuserzeile, in der alte landwirtschaftlichen Geräten ausgestellt sind. Darunter befindet sich auch ein Pflug aus dem frühen letzten oder späten vorletzten Jahrhundert. Das Gerät lässt ahnen, wie schwer die Arbeit damit auf dem Feld war. Es muss viel Kraft gekostet haben, mit diesem Pflug, vor dem wohl Ochsen gespannt wurden, eine gerade Furche in das Erdreich zu ziehen. Wie genau die Pflüge zur Zeit Jesu ausgesehen haben, lässt sich nicht so genau sagen. Sie waren wohl noch bescheidener. Er muss aber sicher an den schweißtreibenden Umgang mit diesem Gerät gedacht haben, als Jesus seinen Jüngern sagte: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes!“ (Lukas 9,62)  Wer mit dem Pflug arbeitet, muss nach vorne schauen, bei der Sache sein. Ursprünglich war diese Ermahnung an Menschen gerichtet, die Jesus zwar gerne nachfolgen wollten, aber dann doch einen guten Grund hatten, nicht gleich mitzugehen. Der eine wollte erst noch den Vater beerdigen. Der andere erbat sich die Erlaubnis, doch zuerst einmal von seiner Familie Abschied nehmen zu dürfen. Jesus  will aber ungeteilte Aufmerksamkeit und Hingabe. Und das sofort. Mich machen diese Worte nachdenklich. Bin ich ungeeignet, dem Ruf Jesu zu folgen, wenn mein Herz gebunden ist an Menschen, wenn ich mich neben dem Evangelium auch anderen Aufgaben verpflichtet fühle? Was mich aber tröstet: am Ende kommt es sicher nicht darauf an, ob ich geschickt und geeignet bin für die Jüngerschaft. Es wird auch nicht darauf ankommen, welche Furchen ich ziehe, wenn ich die Hand an den Pflug lege. Am Ende zählen die Furchen, die Jesus selbst gezogen hat, mit seiner Hingabe am Kreuz, mit seinem Leiden und Sterben und Auferstehen.

14.3.2020


Der Gute Hirte begleitet mich durch die Passionszeit

Eine Ikone begleitet mich als Meditationsbild durch die vorösterliche Buß - und Fastenzeit. Sie zeigt Christus als den Guten Hirten. Der Auferstandene kommt mir durch sie entgegen. Die Wundmale an seinen Händen erinnern an sein Leid. Das Kreuz im Hintergrund erzählt von dem Weg, der hinter ihm liegt. Es ist der Weg, auf den wir uns immer noch befinden, voller Gefahren und Bedrängnisse, gesäumt von Leid und Tränen. So mächtig das Kreuz auch ist, es tritt bereits zurück. Im Vordergrund steht der Auferstandene, der mir als Hirte entgegen kommt. Er trägt einen rotes Gewand. Die Farbe mag an sein Leiden erinnern. Das Übergewand ist blau wie der Himmel, die göttliche Spähre. Im guten Hirten begegnet mir Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist. Auf seinen Schultern liegt ein Lamm. In der Armbeuge des Hirten neigt sich der Stecken gegen das Kreuz hin. Es ist der Hirtenstab, mit dem er  nicht nur die Raubtiere abwehrt, sondern auf von mir fern hält, was mir Angst macht, mein Seele erschreckt und mich auslaugt. Erschöpft sieht es aus, das kleine Lamm, müde und matt, abgekämpft und auch verklärt. Der Gute Hirte hat es aufgehoben und behutsam über seine Schultern gelegt. Er hält es fest an den Vorder - und Hinterbeinen, damit es nicht herunterfallen kann. Ich stelle mir vor, wie die Ruhe, die vom guten Hirten ausgeht, sich auf das Lamm überträgt. Da weicht alle Angst von ihm und es lässt sich tragen. Ob ich auch so ein Lamm sein darf, ob ich mich ebenfalls tragen lassen kann?  Ich denke, ich muss meinen Kreuzweg nicht allein gehen, wie immer er auch aussieht. Ich darf das Lamm sein, das auf den Schultern des Guten Hirten ruht. Das Kreuz ist dann immer noch da, aber es tritt auch in meinem Leben schon in den Hintergrund.  Erfüllt ist das Bild vom  goldenen Licht des Himmels.Das ist schon die Welt aus der uns der Gute Hirte entgegentritt und in die hinein er uns tragen wird, wenn wir das Kreuz hinter uns gelassen haben.