Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Predigten im Monat April


Ein Lied der Freiheit. Predigt über Apostelgeschichte 16,23-34 am Sonntag Kantate 

Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen.  Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier! Der aber forderte ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen  und führte sie in sein Haus und bereitete ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war. (Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Dt. Bibelgesellschaft, Stuttgart.)

Zwei Menschen singen ein Lied, mitten in der Nacht. Einen Lobgesang! Obwohl es nichts zu loben gibt. Sie sind eingesperrt. Im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses sitzen sie hinter Schloss und Riegel Wie bei Schwerverbrechern hat man sie dort angekettet. Ich kann mir vorstellen, wie ihnen jeder einzelne Knochen weh tut. Man ist nicht gerade zimperlich umgegangen mit den beiden. Bevor man sie in den Kerker warf, hatte man sie brutal geschlagen. Es handelt sich bei den Gefangenen um den Apostel Paulus und seinen Weggefährten Silas. Wie verheißungsvoll doch ihr Weg begonnen hatte. Traumhaft im wörtlichen Sinn. War es ein Traum oder eine Vision – Paulus hatte nachts einen Mann gesehen. Ein Mann aus Mazedonien. Ein Mann mit einer Botschaft, einer Bitte, einer Aufforderung:„Komm herüber und hilf uns!“Da wusste Paulus, dass die Zeit reif war, um das Wort Gottes aus dem Heiligen Land in die Welt hinauszutragen.  

Paulus und Silas machten sich also auf nach Philippi, die griechische Hafenstadt. Es war Zeit, dass die Gute Nachricht, das Evangelium seinen Weg zu den Menschen auf dem europäischen Kontinent finden sollte. Alles hatte so gut begonnen. Es schien, dass das Evangelium willkommen war. Die Männer und Frauen  dort hörten die frohe Botschaft und ließen sich taufen. Allerdings: wo Licht ist, da sind auch Schatten. Einigen kam der Besuch aus dem Heiligen Land ganz und gar nicht recht, weil er ihre Geschäfte mit den dunklen Mächten störte. Da war ein Magd, eine Sklavin, die Wahrsagen konnte. Genauer gesagt: ein Geist wohnte in ihr, den man befragen konnte. Gegen Geld, versteht sich. Die Besitzern der Sklavin hatten sich so eine zusätzliche Einkommensquelle beschafft. Paulus aber setzte diesem Treiben ein Ende. Er befahl dem Geist, aus der Magd auszufahren. Damit war das Geschäft verdorben und die Besitzer der Magd auf den Apostel mehr als nur wütend. Sie sorgten für die Verhaftung der Missionare.Sie wurden vor die Stadtrichter geschleppt, ausgepeitscht und ins Gefängnis geworfen. Nun saßen sie hinter Schloss und Riegel und hatten keine Ahnung, ob sie jemals wieder freikommen würden. War die Mission schon gescheitert, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte? 

Paulus und Silas waren ungewöhnliche Gefangene. Sie klagten nicht. Sie jammerten nicht. Sie sangen. Mitten in der Nacht. Das hatte es noch nicht gegeben in diesem Gefängnis. Wehklagen, ja. Hilferufe, ja. Schmerzensschreie, ja. Aber Lobgesänge? Nein. Kein Wunder, dass die anderen Gefangenen zuhörten. Verwundert vielleicht. Überrascht. Welchen Grund diese Menschen haben mochten, dass sie sogar im tiefsten Elend noch ihren Gott loben konnten?  Sie vertrauten Gott, indem sie ein Lied für ihn sangen. Dieses Lied bahnte sich seinen Weg in die Zellen der Mithäftlinge. Und die Gefangen hörten zu. Paulus und Silas lobten ihren Gott. Ihr Lied trug Hoffnung und Trost in die Zellen dieses Kerkers.  

Einer aber schien zunächst nichts in dieser Nacht zu hören.  Der Gefängnisaufseher. Er lag in seinem Bett und schlief, bis ihn ein Erdbeben aus den Träumen riss. Erschrocken fuhr er von seinem Lager hoch. Ihm war sofort klar, was das zu bedeuten hatte, wenn die Erde bebt: Türen, die aus der Verankerung springen, Mauern, die einstürzen Wer bei dem Unglück nicht umkommt, schaut, dass er die Gunst der Stunde nützt und sich davonstiehlt. Wenn jeder um sein Leben rennt, fällt das niemanden auf. Später werden die Trümmer beiseite geräumt. Und dann wird gefragt, warum die Gefangenen entflohen sind. Nach einem Schuldigen wird gesucht. „Wie konntest du zulassen, dass die Gefangenen fliehen? Warum hast du sie nicht daran gehindert?“ Diesen Fragen wird er sich stellen müssen. Er hätte sie töten können, die Gefangenen. Das wäre immer noch besser gewesen, als sie fliehen zu lassen – jedenfalls nach Meinung der Obrigkeit. Jetzt wird er wohl die Konsequenzen zu tragen haben, der Aufseher. Eine harte Bestrafung wird ihn erwarten und Schande wird über ihn kommen und über seine Familie. 

Aber soweit wollte er es nicht kommen lassen. Diese Schmach wollte er weder sich noch seiner Familie  antun. Ohne lange zu überlegen griff er nach seinem Schwert. Er wollte sich selbst richten, sich aus der Verantwortung stehlen. Da! Auf einmal ein Schrei!  Tu dir nichts an, denn wir sind alle hier.“Der Aufseher traute seinen Ohren nicht. Hatte er richtig gehört: Wir sind alle hier?  Das konnte doch nicht wahr sein. Er ließ das Schwert auf den Boden fallen, nahm sich eine Fackel und trat in die Zelle, aus der dieser Ruf kam. Im flackernden Lichtschein sah er sie vor sich:  Paulus und Silas. Was sind das für Menschen? Bleiben freiwillig im Gefängnis um ihn vor denn größten Fehler seines Lebens zu bewahren. Er sah vor sich zwei Männer, die um seinetwillen die Gunst der Stunde haben verstreichen lassen. Sie waren dageblieben, um ihm das Leben zu retten.  

Da gingen ihm die Augen auf. Er erkannte, dass die beiden nie wirklich gefangen waren. Solche Menschen konnte man einsperren, foltern, in Ketten legen, ohne ihnen die Freiheit zu nehmen. Und er erkannte sich selbst in dieser Nacht: einer, der nie frei war, obwohl er die Schlüssel zu allen Ketten und Zellentüren stets bei sich getragen hatte. Das Erdbeben hatte ihm die Augen geöffnet und erkennen lassen, wo bis heute sein Platz war: als Gefangener im Vorhof des Todes, dort, wo Menschen einander misstrauten, sich bespitzelten und verrieten, nur um selbst nicht bespitzelt oder verraten zu werden. Wie gerne wollte er jetzt auch frei werden, so frei wie die beiden Männer, die im Gefängnis noch Loblieder singen konnten.  „Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“hatte er die beiden gefragt, während er sie  aus der Zelle  in seine Wohnung führt – oder in das, was davon nach dem Erdbeben übriggeblieben ist. Wie einfach doch die Antwort ist, die Paulus ihm gibt: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig.“Staunend hörte er, wie Paulus und Silas ihm von diesem Herrn erzählten. So gaben sie die frohe Botschaft weiter, die Christen Mut macht, auch in der Finsternis ihrem Gott noch Loblieder zu singen. Sie erzählten von Jesus Christus, der den Tod überwunden hat. Der Glaube an ihn führt aus der Einsamkeit heraus, macht sogar noch frei, wenn die Hände Fesseln tragen und die Füße im Block liegen und alles aussichtslos scheint. So stark ist der Glaube, dass Paulus und Silas nicht davonrannten, nicht die eigene Haut zu retten versuchten – sondern dablieben, im Gefängnis blieben, um den Aufseher zu retten.  

Christen sind Menschen, dachte sich der Aufseher, die scheinbar auch in den Stunden der Not, der Einsamkeit, wenn die Nacht am finstersten ist, noch Grund zur Hoffnung haben. Zu ersten Mal in seinem Leben hörte die Melodie der Osterbotschaft, die sich durch die Lieder der Christen zieht und die auch Sterbelieder noch mit Hoffnung füllt. Und noch etwas lernte er in dieser Nacht.  Er lernte miteinzustimmen in den Lobgesang der Christen, die mir ihren Liedern den Auferstandenen in ihrer Welt begrüßen. Da spürte er sie, die Freiheit. Er wurde frei von der Angst, frei vom Misstrauen, frei für das Vertrauen. Ich stelle mir vor, wie er zögernd aber fröhlich begann, einzustimmen in das Loblied der Apostel. Ich stelle mir vor, wie er begann, die Lieder zu lernen, um sie später ebenfalls singen zu können, die zum Leben ermutigen. Ich stelle mir vor, wie dabei seine Stimme immer fester und fröhlicher wurde – und nicht nur seine Stimme, auch sein Herz, sein Glaube, sein Vertrauen. Es sind Lieder, die das Licht hineintragen in die Welt, es sind Lieder, die fröhlich machen. Es sind die Lieder, vor denen die Dunkelheit zurückweichen muss. Stimmen wir ein in den Lobgesang. „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Amen. 


© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein (29.4.2018)






Eine tragfähige Beziehung - der Glaube. Predigt über 2. Korinther 4,16-18 am Sonntag Jubilate 

 Jubilate heißt dieser Sonntag. Jubelt! Ich muss bei diesem Wort immer an ein überfülltes Fußballstadion bei einem Endspiel denken. Die Stimmung kocht. Das Spiel ist aufreibend. Die zweite Halbzeit neigt sich dem Ende zu. Es steht immer noch unentschieden. Heute muss die Entscheidung fallen. Es geht um mehr als den Sieg. Es geht um die Ehre des Vereins. Nach 90 Minuten geht das Spiel in die Verlängerung. Schließlich zerrt das Elfmeterschießen an den Nerven der Fans. Da - endlich! Der Ball ist ins Netz gegangen, das erlösende Tor gefallen. Gewonnen! Eine Welle der Begeisterung trägt den Jubel über die Grenzen des Stadions hinaus auf die Straßen der Stadt. Ob der Psalmbeter ebenso stürmisch und glücklich war, als er diese Worte geschrieben hat, nach denen unser Sonntag benannt ist?  Ob er getanzt, gesungen und gelacht hat? „Jubelt!“ruft er seinen Landsleuten zu. „Jauchzet Gott zu, alle Lande!“ Auf diese Weise will sich der Glaube Gehör verschaffen - in Jubelrufen. Die Freude will sich mitteilen und überspringen, Herzen in Brand setzen. Alle sollen aufmerksam werden. Aufmerksam und neugierig! Was ist das für ein Gott, der sein Volk so glücklich macht? sollen die Menschen sich fragen. Jubliate! Jubelt Gott zu! Dazu will uns der Sonntag ermutigen. Seit zwei Wochen geht ein unglaublicher Jubelruf durchs Land. Er will ein freudiges Echo in unseren Herzen auslösen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden, halleluja!“ Ist er angekommen in unseren Herzen?  Lassen wir uns anstecken von der Freude, die diesen Ruf hervorbringt? Er ist ja unglaublich. So außergewöhnlich, dass man eigentlich mit den Kopf schütteln möchte. Dazu eine kleine Anekdote.

 

Als ich am Ostersonntag einem Freund per WhatsApp einen Ostergruß senden wollte, habe ich diesen alten christlichen Osterruf eingetippt. „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Doch die Autokorrektur hat den Begriff „wahrhaftig“ entweder nicht gekannt oder seine Existenz abgelehnt. Jedenfalls hat sie aus „wahrhaftig“ ein „wahrscheinlich“ gemacht. Die Botschaft hieß dann auf einmal: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrscheinlich auferstanden.“ Bei solchem Vorbehalt kann man sich das Halleluja sparen. Da bricht kein Jubel aus. Wie gut, dass ich diesmal nicht so flink auf die Sendetaste getippt habe und noch ein Korrektur der Korrektur durchführen konnte. 

Aus „wahrhaftig“ ist „wahrscheinlich“ geworden! Vielleicht weist das auf unser Problem hin. Die Freude wird von einer Menge von Vorbehalten ruhig gestellt, hinterfragt, also in Frage gestellt. Das machen wir moderne Menschen gerne. Für alles finden wir einen Einwand, einen gewichtigen Gegengrund, der uns dann abhält, etwas zu tun. Ich würde ja in den Gottesdienst gehen, aber die Lieder sind entweder zu altmodisch oder zu modern, die kennt ja keiner. Also bleib ich daheim. Ich würde ja glauben, aber ich hab zu viel erlebt, was gegen den Glauben spricht …. Ich würde mich ja gerne in der Gemeinde engagieren, aber ich hab Angst, dass ich das zeitlich nicht hinkriege ….  Ich würde ja, aber … Wir finden für alles einen Grund, um skeptisch zu bleiben, um in der Reserve zu bleiben, um abzuwarten. Oder sind wir einfach nur verklemmt? Was könnten denn die Leute denken, wenn ich aus mir herausgehe, wenn ich vor Freude herumspringe? Da ziehe ich mich lieber zurück und geh zum Lachen in den Keller. Nur nicht auffallen. 

 

Zum Jubel und zu Begeisterung gehört aber, dass man sich anstecken lässt von der Freude, dass man sich mitreißen lässt, wie beim Sieg nach dem Fußballspiel. Da sagen wir auch nicht: ich würde mich ja über den Aufstieg freuen, aber … da brüllen wir uns vor Begeisterung die Seele aus dem Leib, da umarmen wir wildfremde Leute, da singen wir im Chor, auch, wenn es nicht schön klingt, wir singen, weil wir uns freuen, wir umarmen uns, weil wir einander nahe stehen, die Freude bringt uns näher. Aber vielleicht ist das so, weil unser Herz eben für den Verein schlägt, weil wir mit ihm fiebern, den Spielern die Daumen drücken, uns mit  dem Verein identifizieren. Da komme ich zur Frage, wo unser Herz schlägt und in welchen Bindungen ich lebe.  

 

Paulus konnte sich freuen. Obwohl er doch eigentlich allen Grund gehabt hätte, beleidigt zu sein, zu schmollen, sich zurückzuziehen, alles zu hinterfragen. Da gab es Streit in den Gemeinden, an denen doch sein Herz hingt. Seine Autorität wurde angezweifelt. Er war krank, vielleicht sogar von Schuldgefühlen bedrückt. Schließlich gab es in seiner Biographie eine dunkle Vergangenheit, in der er Christus regelrecht verfolgt hatte.  Am Ende wurde er um des Glaubens willen selbst ins Gefängnis geworfen - und dennoch konnte er sich freuen. Immer wieder schreibt er von der Freude, die aus dem Glauben kommt und die auch vor Gefängnismauern nicht Halt macht. Es war die enge Verbindung mit Christus, die ihn ausfüllt. 

 

Im 2. Brief an die Korinther schreibt der Apostel: „Wir haben einen Schatz in irdenen Gefäßen…“ Er vergleicht sein Leben mit einem  Tonkrug. Ich stelle mir darunter Gefäß vor, das durch den jahrelangen Gebrauch abgenutzt und recht unansehnlich  geworden ist. Der Henkel ist abgebrochen. Die aufgemalten Muster sind verblichen. Da ist ein häßlicher Sprung, vielleicht ist der Krug einmal heruntergefallen. Nein, schön ist er nicht. Der Materialwert ist gleich null. Wertvoll hingegen macht ihn der Inhalt. Der Krug ist randvoll mit Goldstücken angefüllt. Die machen den Krug unbezahlbar. Der Krug, das ist der Leib des Apostels und seine Lebensgeschichte. Der Leib trägt deutliche Spuren des Verfalls. Unendlich wertvoll ist das, was in dem Leib wohnt. Das ist Christus, der Auferstandene, der Herr. In einem anderen Brief, an die Galater, schreibt Paulus einmal:„Nun lebe nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. (Galater 2,20) Christus ist der Schatz. Er hat Einzug gehalten in sein Herz, in sein Leben, in sein ganzes Dasein. Christus, mit allem, was er für Paulus geworden ist - Richter, Erlöser, Heiland, Heilbringer. Der Glaube ist nicht nur ein Teil von Paulus. Der Glaube lebt in ihm, er füllt ihn aus. Er ist das Gold, der Schatz in dem Gefäß des Leibes, der bleibt, wenn der Krug irgendwann wieder zerbricht und der Leib zu Staub und Asche wird. Aus dieser innigen Christusbeziehung heraus lebt Paulus. Und aus dieser Beziehung heraus kann er nun auch den Korinthern die folgenden Worte schreiben: 

 

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart) 

 

Es kommt auf die Sicht der Dinge an. Schaue ich nur auf das Äußere, auf den schäbigen Tonkrug. Dann habe ich keinen Grund, um in den Jubel einzustimmen. Ich sehe nur die Vergänglichkeit, die Fehler, die Splitter und Sprünge. Oder schaue ich auf das Geheimnis, das der „irdene Krug“  in sich birgt. Es kommt darauf an, was ich im Herzen habe, wofür mein Herz schlägt. Ich denke, Paulus schaut mit den Augen des Herzens. Vielleicht schaut auch Christus durch ihn und für ihn. So wird alles neu bewertet - die Menschen in der Gemeinde, sein Leben, die Höhen und Tiefen darin. Die Bedrängnis wird wahrgenommen. Aber es wird auch wahrgenommen, dass sie endlich ist. Der Verfall wird wahrgenommen. Aber auch die Erneuerung. Das Leid wird wahrgenommen. Aber auch die Hoffnung, die das Leid umfängt. Das, was vor Augen ist, wird wahrgenommen. Aber auch, was dahinter steht. Paulus ist nicht weltfremd, gewiss nicht. Er kann seine Lebenssituation realistisch einsetzen. Er nimmt den Verfall wahr . Paulus war wohl ein sehr kranker, ein von Leiden und Schmerzen buchstäblich geschlagener Mann. (2.Korinther 12,7). Die Kritik seiner Gegner macht ihn zu schaffen und ebenso die Enttäuschung, dass sich viele von ihm abwenden. Es ist nicht so, dass ihn das alles nichts ausmacht. Aber es gibt nicht mehr den Ton an in der Lebensmelodie. Das macht Christus. Der gibt den Ton an. Paulus lebt mit Christus und wird bestimmt von dem neuen Leben der Auferstehung, vom österlichen Leben, das den Tod bereits besiegt weiß, obwohl er doch noch scheinbar so mächtig ist. 

 

Die Worte aus dem Korintherbrief, über die wir heute nachdenken, sind keine Ergüsse aus philosophischen Diskussionen oder theologischen Überlegungen. Der Glaube ist keine Theorie, über die man diskutiert. Der Glaube will erfahren, erlebt und gelebt werden. Was Paulus schreibt, hat er selbst erlebt. Er weiß, dass Christus in ihm lebt. Lebt Christus aber auch in uns - mit allem, was er für uns getan hat? Lassen wir ihn Wohnung nehmen in unserem Herzen. Setzen wir unser Vertrauen, unsere Hoffnung ganz auf ihn, auf sein Leben, Sterben und Auferstehen? Ist er unser ein und alles, oder ist der Glaube nur ein Teilchen davon, neben vielen anderen? Ich möchte Sie dazu ermutigen, Christus einzuladen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Lassen Sie Christus in ihr Leben. Das geht ganz einfach. Sagen Sie ihm, dass Sie mit ihm leben möchten. Dass ihr Herz für ihn offen steht. Sagen Sie ihm ruhig, dass Sie glauben möchten, auch, wenn es Ihnen im Augenblick schwer fällt. Das ist das einzige Wagnis, auf das Sie sich einlassen müssen. So wie man es wagen muss, die Haustür zu öffnen, wenn es läutet. Glauben Sie mir, Sie werden die Veränderung in Ihrem Leben spüren, wenn er eintritt. Vielleicht braucht es seine Zeit. Aber sie werden es erfahren, wie es Paulus erfahren hat. Sie werden mit der Zeit eine neue Sicht der Dinge wahrnehmen. Vor allem aber werden sie spüren, dass die Beziehung tragfähig ist. Sie wird sie tragen, die Verbindung mit Christus. Das ist die Herrlichkeit, die über die Maßen ist. Es ist die Herrlichkeit des Glaubens, der auf einmal weiß, dass die Leiden dieser Zeit endlich sind. Nicht der Tod schafft die Realität sondern das Leben. Christus schafft die Realität, die sich nicht mit Zahlen und Fakten belegen lässt. Er ist nicht wahrscheinlich auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Das hilft zu einer Neubewertung des eigenen Lebens. Der äußere Mensch verfällt, er wird älter und stirbt, früher oder später. Aber der innere wird täglich erneuert. Und er gibt uns die Kraft, den Mut und die Freude, um sich anstecken zu lassen von dem Jubel, der seit Ostern über dieser Welt liegt. Amen.

© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein (22.4.2018


Eine wohltuende Dienstanweisung. Predigt über 1.Petrus 5,1-4  

 Wenn Sie bei einer Behörde arbeiten oder in einem Unternehmen angestellt sind, haben Sie vielleicht von Ihrem Vorgesetzten eine Dienstanweisung erhalten. Sie regelt in Form von verbindlichen Vorschriften, was zu tun und zu lassen ist. Dienstanweisungen be – und entlasten. Es werden Aufgaben beschrieben und Zuständigkeitsbereiche festgelegt. Wenn ich die Dienstanweisung befolge, ist alles in Ordnung. Wenn ich dagegen verstoße, kann das ernste Folgen für mich haben, eine Abmahnung, eine Versetzung oder gar eine Kündigung nach sich ziehen. 

 Ich gebe zu, dass ich selbst nie Dienstanweisung unterschrieben habe. Manchmal belastet mich das, weil ich mich deshalb im Grund für alles irgendwie zuständig fühle. Pfarrer und Pfarrerinnen im Teildienst haben eine Dienstanweisung. Manchmal beneide ich sie ein wenig darum. Die können auch sagen: „Tut mir leid, das mach ich nicht, das steht nicht in meiner Dienstanweisung.“ 

 Vielleicht wundern Sie sich, warum ich das alles sage. Ich werde heute nämlich über eine Dienstanweisung predigen. Ja, Sie haben richtig gehört. Ich hoffe nur, dass das nicht allzu langweilig für Sie wird. Ich muss aufpassen, dass ich nicht in den Sprachstil von Dienstanweisungen verfalle. Dienstanweisungen müssen nicht spannend sein und bei der Lektüre fesseln. Sie müssen juristisch hieb – und stichfest sein, dem strengen Urteil eines Arbeitsrichters standhalten. Meist sind sie in sperrigem Amtsdeutsch verfasst. Die Dienstanweisung, um die es geht, habe ich in der Bibel gefunden. Sie ist kurz und präzise und ganz und gar nicht sperrig. Ich muss zugeben – die könnte mir auch gefallen. Hören wir also die Dienstanweisung für Hirten im Gemeindedienst aus dem 1. Petrusbrief im 5. Kapitel:

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als solche, die über die Gemeinden herrschen, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“(Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft)

 Wenn ich darüber nachdenke, wie es zu dieser Dienstanweisung gekommen ist, möchte ich einen Gedanken- und einen Zeitsprung wagen, zurück in die Tage nach dem ersten Osterfest. Dazu gehe ich mit Ihnen an den See Tiberias in Galiläa, der den meisten von uns wohl eher als „See Genezareth“ bekannt sein dürfte. Es ist früher Morgen. Die Nacht weicht dem fahlen Tageslicht. Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa sitzen am Ufer. Das Holz knistert im Feuer, über dem sie ihre Fische braten. Bei ihnen sitzt einer, der sie am Ufer erwartet hat. Es ist Jesus, der Auferstandene. Vom Boot aus hat Petrus ihn schon erkannt. Obwohl die Jünger also  genau wissen, um wen es sich handelt, wagt keiner, etwas zu sagen. Vielleicht ist die Furcht zu groß, dass diese Begegnung nur ein schöner Traum sein könnte, aus dem man durch ein unbedachtes Wort herausgerissen werden könnte, vielleicht ist es die Scheu vor dem vertrauten und doch gänzlich geheimnisvollen Jesus, dessen Wundmale sie an den Händen und Füßen sehen können, den sie haben leiden und sterben sehen – und der jetzt mit ihnen zusammen um das Feuer sitzt und isst.  

Es braucht Jesus, der ihnen die Scheu nimmt, der das Brot bricht und die Fische austeilt. Es braucht Zeit, bis die  Befangenheit weicht und endlich ausgesprochen werden kann, was die Osterfreude vielleicht noch hindert. Vor allem bei einem der drei Jünger, bei Simon, den Jesus einmal den Namen Petrus verliehen hat. Dreimal stellt Jesus diesem Simon eine Frage, die ihn erschüttert. „Petrus, hast du mich lieb?“ „Petrus hast du mich lieb?“ „Petrus, hast du mich lieber, als mich diese haben?“  

Ich stelle mir vor, wie schwer Petrus die Antwort über die Lippen geht: „Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich lieb habe!“Petrus ist vorsichtig geworden. So leicht kommen ihm keine Liebes – und erst recht keine Treueschwüre mehr über die Lippen. Er denkt an den Morgen, als der Hahn krähte. Dreimal hat er den Herrn verleugnet, hat sich verflucht und falsch Zeugnis abgelegt. Damals, im Hof des Hohenpriesters. „Ich kenne diesen Jesus nicht!“Nicht oft genug hat er das beteuern können. Zu groß war die Angst, dass man ihn auch ergreifen, ihn auch schlagen, ihn auch töten könnte. 

Dieser Verrat an Jesus steht noch zwischen den beiden – zwischen dem Sünder und dem Auferstandenen. Aber Jesus überwindet, was in den Augen des Petrus als unüberwindbar und unverzeihlich galt, den Treue – und Vertrauensbruch. Er erneuert den Auftrag: „Weide meine Herde!“So beauftragt Jesus den gestrauchelten Hirten Petrus. Diese Episode am See soll das Vorwort sein für die Dienstanweisung aus dem ersten Petrusbrief.

Wenn die Ältesten wie Hirten sind, die ihre Gemeinden wie eine Herde führen sollen, dürfen sie das nicht vergessen, was der erste Hirte, was Petrus lernen musste:  sie sind schwache und fehlbare Menschen, immer an-gewiesen auf das Erbarmen des obersten Hirten, der sie zum Dienst beauftragt.  „Weide meine Herde!“ sagt Jesus zu Petrus.  „Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist...“ schreibt der Mitältestete an die Leiter der Gemeinden.Die Herde zu weiden, das bedeutet: für sie da zu sein. Ein guter Hirte kennt seine Herde und führt sie zu den Weideplätzen, also zu Orten, an denen Leben möglich ist. Er hat ein Auge darauf, dass die Herde beisammenbleibt. Er sorgt dafür, dass sie nicht darben muss. Er wehrt die Gefahr ab. Der Gefahr von außen durch wilde Tiere. Und der Gefahr von innen – durch Neid und Streit. Und er geht dem Verlorenen nach, dem, der sich von der Herde entfernt hat. Er gibt ihn nicht auf. Das ist die Aufgabe des Hirten: Wegweisung, Fürsorge, Schutz der Schutzbefohlenen. Er soll nicht aus den Augen verlieren, was in seine Obhut gegeben ist. 

Den Hirten und ihren Gemeinden in der Fremde schreibt der „Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi.“ Dass dieses Hirtenamt alles andere als leicht ist, wird nicht verschwiegen. Wer dem Erzhirten Christus folgt, wird wohl den einfachen, bequemen und breiten Weg verlassen. Vielleicht mag das ein Widerspruch sein zur Aufgabe der Wegweisung, wenn der Hirte die Herde auf unbequeme Wege führt. Manchmal kann die Wahrheit unbequeme Folgen haben. Ich meine die Wahrheit, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, den Kaisern und Königen, den Wortführern und Meinungsmachern. Daran werden die Hirten gedacht haben, die zum ersten Mal dieses Schreiben von ihrem „Mitältesten“ und„Zeugen der Leiden Jesu“ erhalten haben. Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das Hirtenamt nicht leicht gefallen ist in einer Umwelt, die ihnen immer feindlicher gesonnen war, in der es immer wieder Übergriffe der heidnischen Bevölkerung gegeben hatte und in der die junge Kirche der Obrigkeit ein Dorn im Auge gewesen ist.   

Das Hirtenamt hat mit Sehen und Wahrnehmen zu tun. Den Willen Gottes wahrnehmen in der Zeit, in der man lebt! Das gehört ebenfalls zum Auftrag. Die Erinnerung an Petrus verpflichtet die Hirten allerdings zur Demut. Petrus ist der gestrauchelte, der begnadigte und neubeauftragte Hirte Christi. Es fällt nicht immer leicht, ein guter Hirte zu sein.    Demut soll die Lebenshaltung eines jeden Hirten sein. Das schreibt der Mitälteste seinen Geschwistern im Herrn! „Achtet auf die Herde,  nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.“

 

In unserem Wort aus dem Petrusbrief sind die Ältesten angeredet. Gemeint sind Menschen, die Verantwortung übernommen haben in der Gemeinde, die sie leiten und nicht aus den Augen verlieren sollen. Ich habe diese Worte mit einer Dienstanweisung verglichen. Sie gilt heute nicht nur den Pfarrerinnen und Pfarrern. Sie gilt auch nicht nur den Kirchenvorstehern und Kirchenvorsteherinnen, die ebenfalls Anteil haben an diesem Amt der Fürsorge, der Wegweisung und der Obhut. Alle sind angesprochen. Alle, die Verantwortung übernommen haben und übernehmen und das Leben der Gemeinde prägen. Lehrer und Diakone zum Beispiel, aber erst recht auch Eltern und Paten. Ich rechne auch die „Stillen im Lande“dazu, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für die Gemeinde und ihre Ältesten zu beten. Auch sie behalten die Herde im Auge. Vergessen will ich deshalb ebenso wenig die vielen ehrenamtliche Mitarbeitenden einer Gemeinde, die im Auge behalten, was den Blicken der Hauptamtlichen meistens verborgen ist. Was bin ich als Pfarrer dankbar für diese Menschen. Sie alle gehören zur „Herde“ und sie alle achten auf die Herde, die ihr Zuhause ist: die Gemeinde Jesu Christi.

Allerdings – wenn so viele angesprochen sind, ist es kein Wunder, dass es in den Gemeinden bis heute menschelt und kriselt und Konflikte nicht ausbleiben. Wie gut, dass wir deshalb das Beispiel des Petrus vor Augen haben. Ein Hirte, mit Stärken und Schwächen. Wie gesagt: ein fehlbarer und ein begnadigter Hirte. Aber deshalb auch ein begnadeter Hirte. Einer, der seine Kraft aus der Liebe Christi geschöpft hat, die Vergebung schenkt und Mut macht zu neuen Anfängen.

Er soll heute unser Vorbild sein, damit wir glauben, leben und handeln können: als unvollkommene Hirten zwar, aber doch als Hirten, die ihre Kraft aus der Hoffnung schöpfen. Die Hoffnung ist Christus, der Oberhirte, der Erzhirte. Er wird wiederkommen, um uns mit der unvergänglichen Krone der Herrlichkeit zu krönen. Die Krone der Herrlichkeit! Ein vielsagender Begriff. Wenn wir sagen, dies oder jenes setzt allem die Krone auf, zittert die Stimme oft vor Empörung. Die Redewendung hat einen eher negativen Klang. Der Erzhirte Christus aber kommt und wird unserer oft vergeblich scheinende Liebesmüh eine strahlende Krone aufsetzen. Er wird vollenden, was wir unvollkommen aus der Hand legen müssen, er wird heilen, was wir nicht heilen konnten, er wird retten, was uns verloren schien. Mit einem Ausblick auf dieses Ziel schließt die Dienstanweisung, die jetzt zur Lebensregel für alle Christen geworden ist. Das Ziel ist Christus, der die verstreute Herde sammeln wird und der uns als Erzhirte, als oberster aller Hirten, nie aus den Augen verliert. Vielleicht wird uns das gut tun, wenn wir immer wieder einmal enttäuscht glauben, dass unsre Mühe und Arbeit von keinem bemerkt und gewürdigt wird. Wie sehr wir uns doch in diesem Punkt irren. Gott sei Dank. Amen.

© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein, Sonntag Miserikordias Domini, 15.4.2018


Wie neugeboren! Predigt über Kolosser 2,12 – 15 am Sonntag Quasimodogeniti 

Mit ihm (Christus)  seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.  Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus. 

(Übersetzung Lutherbibel 2017, hg.v.d. Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart)

Ich fühl mich wie neugeboren! Um das sagen zu können, braucht es eigentlich nicht viel. Es braucht einen gesunden Schlaf. Ein paar Stunden ungestörte Nachtruhe. Es braucht die Freiheit, den Wecker abzustellen, um sich morgens genüsslich noch einmal umzudrehen, statt aufzustehen. Wie ist das aber, wenn der Schlaf sich nicht einstellen will? Wenn die Sorgen mich nicht zur Ruhe kommen lassen, wenn ich abends das Licht ausknipse und spüre, wie sie über mich herfallen und den Schlaf verscheuchen: die Sorgen um den Arbeitsplatz, die Panik, die im Herzen aufsteigt, weil man nicht weiß, wie man nach der Kündigung die Raten für das Auto und das Haus abzahlen soll, der Seelenschmerz, weil man betrogen wurde vom besten Freund, weil ich mich furchtbar geärgert habe und deshalb platzen könnte oder weil mich ein schlechtes Gewissen plagt. Dann liege ich da in der Dunkelheit. Die Stunden ziehen sich hin und am Morgen bin ich müder als am Abend zuvor.  

„Wenn ich das Rad der Zeit nur zurückdrehen könnte! Ich würde alles anders machen! Alles besser.“Wer hat diesen Wunsch nicht schon einmal geäußert, sogar bei weit geringfügigeren Anlässen.  Allerdings: das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Die Schuld nagt weiter an meinem Gewissen. Die Beziehung bleibt zerbrochen. Die Enttäuschung macht mich mürbe und der Arbeitsplatz bleibt verloren. Wie soll man sich da neugeboren fühlen! Nein. Das kann man nicht schönreden. Auch nicht am Sonntagvormittag. Es ist, wie es ist! Das ist bitter. Nein! Das kann doch nicht sein. Es kann doch nicht so weiter gehen mit mir. Hört das denn nie auf, dreht es sich wirklich unaufhörlich weiter, dieses Rad aus Sorgen, Selbstvorwürfen und quälenden Fragen? Wer sich damit herumschlägt, spürt vielleicht, was der Apostel meint, wenn er an seine Gemeinde schreibt: 

… ihr wart tot in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches“.Ich glaube, mit diesem seltsamen Vergleich ist diese von Angst und Schuld besetzte alte Leben gemeint, das ohne Hoffnung und vielleicht auch ohne wirklichen Glauben ist, das wie tot ist, obwohl man atmet. Man kann in der Kirchenbank sitzen und atmen und doch tot sein, leer, ausgebrannt, ohne Hoffnung. Wenn ich einer anderen Bibelübersetzung folge, dann sagt der Apostel an dieser Stelle: ihr seid tot, weil euer altes Ich euch bestimmt hat. (Neues Leben. Die Bibel) Das alte Ich – das ist der Mensch, der meint, dass er alles in der Hand hat, dass er alles selbst bestimmt. Luther würde sagen: das ist der alte Adam, der sein will wie Gott und sich in der Nichtigkeit seines Daseins verliert. 

Wer sich mit diesen Fragen herumschlägt, dem wünsche ich von Herzen, dass er jetzt aufatmen darf. Ja, auch du mit deiner Schuld, mit deinem Kummer, mit deinen Sorgen sollst dich wieder wie neugeboren fühlen! Das ist die Gute Nachricht, die wir heute hören. Ich stelle mir vor, dass der Apostel diesen niedergedrückten, verzweifelten Menschen das schreiben möchte: deine Schuld, deine Angst, die Sorgen, nein, die kann ich dir nicht einfach nehmen! Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Aber ich möchte, dass du deine Aufmerksamkeit jetzt auf etwas anderes richtest und dein Herz öffnest für die Wirklichkeit, die Gott für dich bereit hält. 

Schau hin auf das Kreuz, das vielleicht an der Wand in deinem Schlafzimmer hängt – oder das du hier in der Kirche vor dir siehst. Dort hängt eine Tafel mit vier Buchstaben: INRI. Das ist eine Abkürzung. Sie bedeutet:  Jesus von Nazareth, König der Juden. Diese Tafel kannst du sehen. Am Kreuz hängt aber auch noch eine andere Tafel. Die kann nur dein Herz schauen. Das ist die Anklageschrift. Da steht alles drauf, was dir den Schlaf raubt und was dich am wahren Leben hindert: deine Enttäuschungen, dein Versagen, alles, was gegen dich spricht und dich bedrückt. Du hast richtig verstanden. Es hängt jetzt am Kreuz. Es liegt nicht mehr auf deiner Seele. Dein Versagen ist damit nicht ungeschehen gemacht, aber es steht nicht mehr zwischen dir und Gott. Das bedeutet: es steht nicht mehr zwischen dir und dem Leben, das Gott für dich bereithält.  Der Apostel beschreibt seiner Gemeinde diese neue Lebenswirklichkeit mit den folgenden Worten: ihr wurdet mit ihm, mit Christus, zu neuem Leben auferweckt, weil ihr auf die mächtige Kraft Gottes vertraut habt, der Christus von den Toten auferweckt hat. 

Der Weg aus der Verzweiflung in die Hoffnung führt über das Vertrauen. Nicht mehr der eigenen Kraft vertrauen. Nicht mehr alles auf die eigene Karte setzen. Auf Gottes Kraft vertrauen. Das und nur das öffnet den Weg in das Leben. 

Der Apostel wirbt in Gottes Namen um unser Vertrauen. Vertrauen hat mit Schauen zu tun. Wir sollen von uns wegschauen von dem, was uns niederdrückt und hinschauen auf den, in dem das Leben erschienen ist. Die Ostergeschichten beschreiben uns, wie das geht, dieses Hinschauen. Vielleicht fühlen wir uns so hilflos, wie die Frauen am Ostermorgen. Fassungslos stehen sie vor dem leeren Grab. Zunächst sehen sie nur, was vor Augen ist. Aber dann hören sie eine seltsame Botschaft: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten, er ist nicht hier. Er ist auferstanden!Das sagen die Engel. Sie helfen, den Blick abzuwenden von dem, was in unseren Augen als Realität, als unabänderliche Wirklichkeit erscheint und sich zu öffnen für die Wirklichkeit Gottes, die Wahrheit des Ostermorgens. Zugegeben: es braucht sehr lange, bis diese Worte den Weg in die Herzen der Frauen finden. Vielleicht liegt das daran, weil die andere Erfahrung sie fest im Griff hielten, die Erfahrung des Todes und des Leidens. So ging es wohl auch Thomas im heutigen Evangelium. Er hört von den Jüngern eine unglaubliche Nachricht: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Doch er kann nicht glauben, was er hört. Da muss schon Jesus selbst kommen und ihn zum Glauben ermutigen. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“  So ist das auch bei uns. So sehr zieht sie uns den Bann, was wir sehen, so sehr lassen wir uns von den Zeichen des Todes gefangen nehmen, dass wir das andere gar nicht bemerken: das Zeichen des Lebens, des Glaubens, der Hoffnung.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten!heißt es im Spruch für die Woche. Die neue Geburt, um die es heute geht, geschieht im Herzen. Wie neugeboren werden Menschen, die zu neuer Hoffnung finden, zu neuem Glauben, zu neuem Lebensmut. Die Enttäuschungen und das Leid sind nicht einfach vergessen. Die Tränen sind nicht vergessen. Auch nicht die Schuld. Mit Christus begraben und auferstanden sein in der Taufe bedeutet aber, sich aus dem alten Leben in ein neues hineintragen zu lassen, wiedergeboren zu werden zu einer lebendigen Hoffnung, zu einem neuen Leben. 

„Fange nie an aufzuhören und höre nie auf, anzufangen.“Der gelehrte Heide Cicero soll das einmal gesagt haben. Das könnte auch das Lebenswort eines Christen sein, der zu dieser lebendigen Hoffnung wiedergeboren ist, der wie ein neugeborenes Kind Gottes lebt: er muss sich nicht festnageln lassen – auf alte Fehler, auf sein Versagen, auf begangene Schuld.  Er kann täglich neu anfangen zu leben. Von den ersten Mönchen, die in der ägyptischen Wüste lebten und beteten, wird berichtet: sie machten täglich gute Anfänge und dankten Gott in allem.  Machen wir es ihnen nach. Machen wir einen guten Neuanfang im Gottvertrauen. Vielleicht können wir dann die folgenden Zeilen ebenfalls zu unseren eigenen Worten machen:  „ Wenn ich des Nachts oft lieg in Not / verschlossen, gleich als wär ich tot,/  lässt du mir früh die Gnadensonn / aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn. / Halleluja.“ Amen.

 

© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein, 8.4.2018




Unterwegs, aber nicht allein - Predigt zur Konfirmation in Hafenpreppach am 2.4.2018

 „Was hat euch in diesen Tagen besonders gut gefallen?“ Als Antwort auf diese Frage ist  bei der Feedback Runde zur Konfirmandenfreizeit in Volkenroda auch die Nachtwanderung genannt worden. Obwohl die ganz schön anstrengend war. Wie gut, dass ihr unseren Rat befolgt und euch warm angezogen habt. Die Nächte im Februar können kalt sein nicht wahr? Wir hatten Glück - es hatte ein paar Stunden zuvor geschneit, der Boden war vom Frost gehärtet und nicht matschig (das hatten wir auch schon) und der frische Schnee hat das Mondlicht reflektiert. Es war also nicht stockdunkel. Einigen hat allerdings die Mutprobe schon herausgefordert, die euch abverlangt wurde: tief im Wald sollte jeder  eine festgelegte Strecke alleine laufen.

Ich weiß nicht, wie es euch ergangen ist - ich finde, das war schon was ganz Besonderes. Nein, ich hatte keine Angst. Trotzdem gehöre ich nicht zu den Menschen, die nachts gerne allein spazieren gehen, schon gar nicht im Wald. Da ich mit ein wenig Nachtblindheit zu kämpfen habe, fällt es mir schwer, mich in der Dunkelheit zurecht zu finden. Eine relativ harmlose Strecke verwandelt sich dann für mich in einen Hindernisparcours. Bäume und Sträucher und vor allem Wurzelwerk, das aus dem Boden ragt, sind Stolperfallen, die mir zu schaffen machen. Nach einiger Zeit war ich wirklich mit mir allein. Von der Gruppe, die schon voraus gegangen war, konnte ich noch nichts hören. Und hinter mir war es mit einem mal ebenfalls still: kein leises Geplapper und Gelächter mehr. Stille. Da ist mir klar geworden, dass ich allein war. Allein im Wald. Allein mit mir selbst. Ich lauschte. Der eigene Atem, die eigenen Schritte im Schnee waren zu hören und sonst nichts. Aber halt. Das stimmt nicht. Da waren sie auf einmal, die Geräusche, die man sonst überhört: das leise, wehmütige Singen des Windes zum Beispiel oder das Knacken der Äste, das wohl von einem Tier stammt. Es scheint sich in meiner Nähe herumzutreiben. Hoffentlich nur ein Reh. Mann, wie lange zieht sich der Weg eigentlich noch hin? Solche Gedanken begleiteten mich. Ich gebe zu, ein wenig erleichtert war ich dann doch, als mir nach einer Weile vertrautes Stimmengemurmel durch die Dunkelheit entgegen waberte. Ich war am Ziel.

Manchmal allerdings kann man auch zu zweit einsam sein. Vielleicht sind die beiden Jünger ein Beispiel dafür. Wir haben ihre Geschichte vorhin im Evangelium gehört. Am Ostermontag wird sie im Gottesdienst gelesen. Die Jünger sind auf dem Weg in ihr Heimatdorf Emmaus. Wir wissen nicht so genau, wo das lag. Es lässt sich heute nicht mehr lokalisieren. Einige vermuten, es  lag nordwestlich von Jerusalem. Wie dem auch sei - die die beiden Männer mussten weit laufen,  vielleicht eine Tagesreise. Ich stelle mir vor, wie sie nebeneinander hergehen und sich den Frust von der Seele reden. Was soll man auf so einem öden Weg auch anders machen. Sie haben Schlimmes erlebt in den letzten Tagen. Sie mussten mit ansehen, wie ihr bester Freund, wie Jesus, von einem aus ihren eigenen Reihen verraten und an die römischen Besatzungssoldaten ausgeliefert wurde. Sie haben mit angesehen, wie ihr Freund gefoltert, verurteilt und auf eine besonders grausame Art und Weise hingerichtet wurde: die Kreuzigung. Ich weiß nicht, was ihnen dabei mehr zu schaffen machte - der Verrat, der Tod des Freundes oder die eigene Feigheit. Sie alle haben ihn im Stich gelassen. Als die Soldaten kamen,  sind sie abgehauen, haben sich versteckt. Sie hatten Angst, dass sie auch umgebracht werden. Die beiden Jünger gehen heim. Was sollen sie noch in Jerusalem. Ihre ganzen Pläne, ihre Hoffnungen sind zerbrochen, ihre Begeisterung ist verpufft, sie fühlen sich leer und ausgebrannt. Am meisten nervt sie das Gerede vom leeren Grab, das die Frauen aufgebracht haben. Was soll das? Es ist noch niemand von den Toten zurückgekehrt.  Das Gefasel der Frauen, die behaupten, dass Jesus lebe, damit können sie nichts anfangen. Da gehen sie lieber nach Hause. Zurück in ihr altes Leben.

Ich gebe zu, ihr Weg - das ist noch etwas anderes, als mein einsamer Gang durch den Wald. Aber irgendwie auch wieder nicht. Wenn man mit seinen Gedanken allein ist, wird aus dem Rascheln der Blätter im Wind ein unheimliches Erlebnis. Das leistet die Phantasie ganze Arbeit. Und wenn man - wie die Jünger -  verzweifelt ist und ein schlechtes Gewissen hat, dann verliert das Leben seine Farben, dann wird es mindestens ebenso dunkel wie ein Winterwald. Die Jünger waren so mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht die Veränderung bemerkt haben. Auf einmal waren sie nicht mehr allein unterwegs. Da war ein Fremder. Er ist ihnen zunächst gar nicht aufgefallen. Sie merken gar nicht, dass der fremde Wanderer Jesus ist, der ihnen eine Frage stellt. „Was ist denn los mit euch?“ Da sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Sie erzählen ihm von ihrer Enttäuschung, ihrem schlechten Gewissen, ihrer Verzweiflung. Wie gut das tut, sich etwas von der Seele zu reden. Sie merken gar nicht, wie schnell  die Zeit vergeht und wie kurz auf einmal der Weg ist. Als es Abend wird und sie ihr Haus erreichen, will sich der Fremde verabschieden. Ob es nur die sprichwörtliche orientalische Gastfreundschaft ist, die die beiden dazu bringt, ihn einzuladen? Oder wollen sie ihn einfach noch eine Weile bei sich behalten? Haben sie gespürt, wie gut ihnen der Fremde tut, wie sich in seiner Nähe die Wunden schließen, wie sie den Frieden spüren, der von diesem Mann ausgeht, die Freundlichkeit, die Freude am Leben? „Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt …“ sagen sie und freuen sich. Der Fremde nimmt die Einladung an. Er setzt sich zu ihnen an den Tisch, spricht das Tischgebet, nimmt das Brot und bricht es und da erkennen sie ihn. Und vielleicht genügt das, um ihr Leben zum Guten zu wenden. Denn im selben Augenblick verschwindet Jesus vor ihren Augen. Was sie erlebt haben, scheint auszureichen, um ihr Leben von Grund auf zu verändern. Einige Jahre später wird ein anderer Mann, der Apostel Paulus, diese Erfahrung teilen. Er wird sie in einem Satz zusammenfassen und in einem Brief niederschreiben: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?…. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.“ (1.Korinther 15,55) 

Ich denke, es gibt Schatten in unserem Leben, die verwandeln unseren Weg manchmal in eine einsame Nachtwanderung. Dann ist alles kalt und wir bekommen es mit der Angst zu tun. Wir haben Angst vor dem Weg der vor uns liegt. Lauern in der dunklen Zukunft nicht viele Gefahren? Werde ich das alles schaffen, was da von mir verlangt wird, die vielen Mutproben, die mir das Leben abverlangt? Wenn dann s die Fragen des Lebens auftauchen, klopft das Herz vielleicht bis in den Hals. Und manchmal zieht sich der Weg endlos hin. Manchmal fühle ich mich alleingelassen. Dann scheint niemand da zu sein. In solchen Situationen sollte ich vielleicht an diese Geschichte denken, die wir heute gehört haben. Sie lädt mich ein, aufzuschauen. Da ist einer in meiner Nähe. Einer, der es gut mit mir meint. Der ist schon eine ganze Weile da. Am Anfang meines Lebens, in der Taufe, hat er mir die Freundschaft angeboten. „Ich bin bei dir, an jedem Tag, sei getrost, hab keine Angst“ sagt er und macht mir Mut, Lebensmut. Das ist sein Versprechen. Er verspricht mir, mich nicht allein zu lassen. Er verspricht mir, bei mir zu bleiben.  Und dann kommt der Augenblick, wo er darauf wartet, dass ich es mache, wie es die Emmausjünger gemacht haben, er wartet darauf, dass ich ihn einlade, er soll hereinkommen in mein Leben und an meinem Tisch Platz nehmen. Und er wird kommen. Er wird Platz nehmen, mir das Brot des Lebens brechen und mit mir zusammen sein. Ich muss ihn dann nicht einmal mit meinen eigenen Augen sehen. Es genügt, wenn mein Herz spürt, dass er da ist. Er will mir das Leben schenken, nach dem ich Sehnsucht habe. Jeder von uns sehnt sich nach diesem Leben. Keiner will einsam sein. Wer Jesus einlädt, an seinen Tisch, in sein Leben, der wird es nicht unbedingt leichter haben im Leben. Es bedeutet auch nicht, dass einem jetzt alles gelingt, dass man immer Erfolg hat, dass der Weg immer geradlinig verläuft. Nein. Wer Jesus in sein Leben lässt, ist nicht allein. Er ist auf einen guten Weg. Er ist auf den Weg in das Leben, das alle Furcht hinter sich lassen wird.  Es ist der Weg in das Leben, das vom Vertrauen getragen wird. Egal, wie dein Weg verlaufen wird - es wird der Weg in ein gutes Leben sein. Weil es ein Leben ist, in dem sich der Segen Gottes reichlich entfalten kann. Es ist der Segen, um den wir ihn heute bitten, in diesem Gottesdienst. Amen.

 © Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein, 2.4.2018