Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73,28)

Ökumenische Passions-Hausandacht am 31.März 2020

 

Vorwort

Wir beginnen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir wissen uns verbunden im Gebet miteinander, selbst, wenn wir räumlich getrennt sind. Wir vertrauen auf die Gegenwart des Auferstandenen. Wir denken in dieser Zeit an den Leidensweg, den er für uns gegangen ist.

 

Lied EG 554: 

1. Herr, wir denken an dein Leiden, / wollen unser Herz bereiten, / auf dein Kreuz zu schaun.

2. Bist den bittern Tod gestorben, / hast des Heiles Kraft erworben, / hilf, dass wir vertraun.

3. Herr, du hast dein ganzes Leben / für uns Menschen hingegeben, / dafür danken wir.                                           Text und Melodie: Eberhard Egermann

 

Psalmgebet (im Wechsel, Psalm 13 i.A.)

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?                               

Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben? 

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott! 

Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe, dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.                                                                                            

Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.                             

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist                 

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

 

 

Tagesgebet

Herr Jesus Christus, wir schauen auf das Kreuz. Lass uns nicht vergessen, dass du am Kreuz unseren Tod überwunden hast. Lass uns Frieden finden bei dir, unter dem Kreuz. Wir beten dich an. Du lebst und regierst mit dem Vater und dem Heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Lesung

Aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther im 1. Kapitel:

„Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit;  denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

1.Korinther 1,18-24

(Lutherbibel 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

 

Predigt zu den beiden Christusdarstellungen in unserer Altensteiner Kirche

„Was für ein Anblick!“ Dieses wuchtige Sandsteinkreuz vorne beim Altar zieht die Blicke auf sich. Da ist der Gekreuzigte. Seine Arme sind weit ausgebreitet. Das Haupt neigt sich zur Seite. Ein Bild des Todes, des Leides, der Vergänglichkeit. Überwältigend, übermächtig groß. Und doch tröstet mich diese Darstellung. Man muss sie näher betrachten. Man muss sich näher heranwagen. Dann entdeckt man das Tröstliche. Sanft neigt sich das Haupt des Gekreuzigten. Die Augen scheinen geschlossen, als ob eine sanfte Hand sie geschlossen hat, nach dem letzten Seufzer aus dem Mund des Sterbenden, nachdem er sein „Es ist vollbracht!“ geflüstert und sein Leben in die Hände des Vaters befohlen hat.  

 

Der Stamm und der Querbalken des Kreuzes gehen in eine Form über, die mich an ein Kleeblatt erinnert. Ist das ein zarter Hinweis auf die Dreifaltigkeit? Ein Hinweis darauf, dass hier kein Abbruch, sondern ein Übergang, ein Wandel vollzogen wird? Der große, der allmächtige, der ewige Gott macht sich klein, schwach, verletzbar? Kein fröhlicher Wechsel, wie er an Weihnachten besungen wird ist das: „Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!“ (EG 27,5) Sondern ein tragischer und zugleich heilsamer, wie er im 1. Petrusbrief beschrieben wird: „Er trug unsere Sünden selbst hinauf an seinem Leibe auf das Holz, dass wir, der Sünde gestorben, der Gerechtigkeit leben.“ (1.Petrus 2,24)   Die angedeutete Blüten - oder Kleeblattform mag auch ein Hinweis auf das Leben sein, das am Stamm des Kreuzes zu blühen beginnt, das neue, das österliche Leben, das Leben, in dem Gott die Tränen abwischen wird von unseren Augen. (Offenbarung 21,4) 

 

Es nimmt mich ein, dieses Bild und es fängt mich auf. Wie oft habe ich es schon betrachtet, von meinem Platz aus, vorne, auf der ersten Bank und manchmal auch, wenn ich an der Altarstufe stehe. Tiefer Frieden geht von diesem Gekreuzigten aus. Es ist der Friede, den ich mir selbst nicht geben kann, es ist der Friede, nach dem ich Sehnsucht habe - immer wieder, wohl mein Leben lang. Wie viele Menschen haben unter diesem Gekreuzigten gestanden? Immer wieder geht mir diese Frage durch den Kopf. Wie viele haben hier Trost gesucht und Frieden gefunden, unter den weit ausgebreiteten Armen?  Ja, Trost geht von diesem Kreuz aus. Ich sehe den, der die Welt überwunden hat und mit der Welt alles, was mir darin oft den Frieden raubt, was das Glauben und Hoffen schwer macht: die Angst, die Trauer, das Erschrecken über den Tod, die Tränen des Abschieds. „Vater, in deine Hände lege ich voll Vertrauen mein Leben, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ (Lukas 23,46) Das höre ich den Auferstandenen seufzen oder vielleicht auch nur flüstern. Wenn ich vor dem Altar stehe, fällt das Haupt zur Seite. Und es scheint, als ob es mir etwas zuflüstern möchte. „Schau hin…“ höre ich den Gekreuzigten sagen, „… das ist nicht das einzige Bildnis, das du hier von mir findest.“ 

 

Tatsächlich. Mein Blick folgt der Richtung, in die mich das zur Seite geneigte Haupt weist. Und so begegne ich ihm wieder. Den anderen Christus.  Im Vergleich mit dem übergroßen Kreuz fällt er kaum auf. Er zeigt die andere Wirklichkeit, die österliche. Ich sehe die Statue des Auferstandenen, die über der Werksakristei steht. Die ist viel älter als das Kreuz im Altarraum. Das wurde zum Bau der Kirche 1909 erschaffen. Die Holzfigur hingegen ist eine Handschnitzerei aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist aus der „alten" in die „neue Kirche“ mit umgezogen ist. Die alte Kirche gibt es nicht mehr. Sie wurde abgerissen. Der Auferstandene steht aber da und hebt die eine Hand zum Segen. Die andere ist geballt. Sie hielt einst eine Siegesfahne. Leider ist die verloren gegangen. Sie weist Christus aus als den, der den letzten Feind längst überwunden hat, den Tod. "Ich war tot“ sagt dieser Jesus. „Ich war tot und siehe ich lebe und ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle!“ (Offb.1,18)  In der Offenbarung finden wir dieses Wort aufgeschrieben. Wir hören es als Wochenspruch in der Osterwoche. Aufmerksam und mit erhobenem Haupt blickt mich dieser Jesus an. Einen Auftrag gibt er uns weiter. „Geht hin in alle Welt. Lehret alle Völker!“ (Mt.28,19) Es ist, als ob er am Ende des Gottesdienstes neben mir steht und die Menschen hinaus sendet, zurück in den Alltag. Dort sollen sie leben, was sie glauben. Dort sollen sie es den anderen sagen, Leid und Tod sind nicht das Letze, unsere Tränen werden trocknen, unser Mund wird voll Lachens sein, am Ende der Zeit. Das ist keine vage Hoffnung. Im Kreuz, im Sterben und Auferstehen Jesu ist sie begründet. Manchmal scheint das Leid, der Tod, die Trauer so wuchtig, so überdimensional, wie das Kreuz in unserer Kirche. So groß, dass der Auferstandene daneben gar nicht wahrgenommen wird.  Und dass selbst die Hoffnungszeichen am Kreuz übersehen werden. Aber sie sind da, die Zeichen des Lebens. Und er selbst steht neben uns - an den Sterbebetten, an den offenen und frisch zugeschütteten Gräbern und dort, wo Menschen leben und manchmal auch leiden. Es geht uns nur häufig so wie den Jüngern. Wir erkennen ihn nicht. Erst, als er sie angesprochen hat, gingen den Jüngern die Augen auf. Und wir? Lassen wir uns ansprechen? Seine Worte öffnen uns die Augen für das neue Leben, das uns in ihm begegnet. „Sei getrost!“ sagt er, „Was dich bedrückt, was dich ängstigt, was so überaus mächtig erscheint, das ist längst überstanden.“ Wie gut, dass wir immer wieder daran erinnert werden - nicht nur, wenn wir in dieses Haus kommen, um zu singen und zu beten, sondern auch zu anderen Zeiten und an anderen Orten, überall dort, wo wir unseren Glauben leben. Wann immer uns aber danach ist, dürfen wir hierherkommen, in unser Gotteshaus, an den Ort, wo unser Glaube ein Dach über den Kopf und unser Herz ein Zuhause hat. Wir dürfen hierherkommen, um unseren Glauben zu stärken, um den Trost zu finden, nach dem wir uns sehnen und den wir uns selbst nicht gegeben können. Was haben wir doch für Schätze in unserer Kirche. Vielleicht nicht von großem materiellen Wert und doch unbezahlbar. Sie erzählen von der Passion und von der Auferstehung Jesu. Sie erzählen vom Leben und von der Hoffnung die wir haben. Nicht nur in der Passionszeit, sondern das ganze Jahr über. Hören wir hin auf ihre Geschichte. Amen.

© Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein 

Lied EG 90 

1. Ich grüße dich am Kreuzesstamm,
du hochgelobtes Gotteslamm,
mit andachtsvollem Herzen.
Hier hängst du zwar in lauter Not
und bist gehorsam bis zum Tod,
vergehst in tausend Schmerzen;
doch sieht mein Glaube wohl an dir,
dass Gottes Majestät und Zier
in diesem Leibe wohne
und dass du hier so würdig seist,
dass man dich Herr und König heißt,
als auf dem Ehrenthrone.

2. Ich folge dir durch Tod und Leid,
o Herzog meiner Seligkeit,
nichts soll mich von dir trennen.
Du gehst den engen Weg voran;
dein Kreuzestod macht offne Bahn
den Seelen, die dich kennen.
Ach Jesu, deine höchste Treu
macht, dass mir nichts unmöglich sei,
da du für mich gestorben;
ich scheue nicht den bittern Tod
und bin gewiss in aller Not:
"Wer glaubt, ist unverdorben."

Text: Valentin Ernst Löscher 1722                                                  Melodie: O Mensch, bewein dein Sünde groß (Nr.76)

 


Gebet

Jesus Christus, unser Herr und Bruder,

du hast dich erniedrigt bis zum Tod am Kreuz,

du hast Verachtung, Unrecht und Schmerzen

auf dich genommen.

So bist du uns nahegekommen.

Auch wenn wir leiden, bist du gegenwärtig.

Unsere Schuld scheidet uns nicht mehr von dir.

Stehe allen bei, die schwer tragen an der Last ihres Lebens,

an Zerbrochenem, an Unrecht – dem eigenen und dem fremden,

an Krankheit und am Sterben.

Tröste durch deine Nähe,

heile und befreie durch die Kraft deines Todes und deiner Auferstehung.

Behüte uns bis ans Ende zu einem neuen Leben. Amen. 

(EG S. 1226) 

Vater unser 


Schlusslied EG 75

Ehre sei dir, Christe, der du littest Not,
an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod,
herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit:
hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit. 

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.


Wäre nicht gekommen Christus in die Welt
und hätt angenommen unser arm Gestalt
und für unsre Sünde gestorben williglich.,
so hätten wir müssen verdammt sein ewiglich.

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison. 

Darum wolln wir loben, danken allezeit
dem Vater und Sohne und dem Heilgen Geist;
bitten, dass sie wollen behüten und hinfort,
und dass wir stets bleiben bei seinem heilgen Wort.

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Text: Strophe 1 Salzburg um 1350, Strophen 2 - 3 Hermann Bonnuns  1542  Melodie: Salzburg um 1350, Königsberg 1527, bei Luis Lossius 553


Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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