Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Gerade aufgeschrieben 

Auf dieser Seite lesen Sie die aktuelle Andacht oder einen jüngst verfassten Artikel, Kommentar, vielleicht auch einen Prosatext - was mir halt gerade aus der Feder fließ. Aber halt, eigentlich müsste ich sagen: was ich gerade getippt habe, denn eine Feder oder einen Füller verwende ich zum Schreiben schon lange nicht mehr.                     

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Das Geheimnis der Dreifaltigkeit – Gedanken zum Fest Trinitatis 

Alle guten Dinge sind drei!“ sagt der Volksmund. Dahinter verbirgt sich ein tiefes Geheimnis. Die schlauen Bücher über Symbole und Bilder verraten uns, dass die „Drei“ der Inbegriff der Vollkommenheit und der Einheit sei. „Du hast drei Wünsche frei“, sagt die gute Fee im Märchen vielleicht gerade deshalb.  Die Drei ist eine geheimnisvolle Zahl,  die in vielen Kulturen und Religionen eine wichtige Rolle spielt. Eine Woche nach Pfingsten feiern die Christen das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit – Trinitatis. In der evangelischen Kirche werden die Sonntage bis in den Spätherbst hinein nach diesem Festtag gezählt, der seit dem 14. Jahrhundert begangen wird. Die Erwähnung von Gott in seiner Dreiheit als Vater, Sohn und Heiligen Geist begegnet uns im Taufbefehl, mit dem der Auferstandene am Ende des Matthäusevangeliums seine Jünger in die Welt hinaus sendet.  Die Drei ist für Christen eine Heilige Zahl. Sie weist auf die Vollkommenheit Gottes hin. Das deutet sich schon im Alten Testament an. Dort lesen wir, dass drei Engel dem Erzvater Abraham im Hain von Mamre erschienen sind. Wer die Geschichte liest, wird bald merken, dass sie eigentlich von einer Begegnung Gottes mit Abraham erzählt. Auf vielen Ikonen und Bildern wird diese Begegnung dargestellt. Das Neue Testament berichtet davon, dass Jesus drei Tote ins Leben zurück gerufen hat: die Tochter des Jairus, den Jüngling von Nain und Lazarus. So erweist Jesus seine göttliche Vollmacht. Schließlich ist Jesus selbst am dritten Tag von den Toten auferweckt worden. Dass Glaube, Hoffnung und Liebe die Pfeiler eines christlichen Lebenswandels sind, erfahren wir vom Apostel Paulus. Christen glauben nicht an drei Götter, wenn sie vom dreifaltigen Gott sprechen. Sie glauben an den einen Gott – dessen Handeln und Zuwendung sie auf vielerlei Weise erfahren. Die Lehre von der Dreifaltigkeit (Dreieinigkeit, Trinität) ist der Versuch, diese Gotteserfahrung in einer Lehraussage zusammenzufassen.  Wir staunen über die Schönheit der Schöpfung und ehren Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Wir vertrauen darauf, dass er sich in Jesus Christus den Menschen zugewandt hat. Schließlich spüren wir immer wieder die Geistkraft Gottes, der die Herzen anrührt und den Glauben stärkt, der uns tröstet, aufrichtet, mahnt. Hinter all diesen Erfahrungen von Gott verbirgt sich jedoch dieser eine, vollkommene, unfassbare Gott, der den Menschen so nahe wie nur irgend möglich kommen will. Wenn man da nicht in das „Dreimal heilig“ einstimmen möchte, mit dem die Engel Gott im Himmel loben und das wir bei der Feier des Heiligen Abendmahls mitsingen: „Heilig, heilig, heilig, ist der Herr der Herrscharen, alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe!“ Dieses Wort des Propheten Jesaja soll uns als Spruch durch die Trinitatiswoche begleiten. Gottes Dreifaltigkeit lässt sich nicht erklären, vielmehr anbeten. Schon Philip Melanchthon, der gelehrte Wegbegleiter Luthers, hat das seinen Studenten ans Herz gelegt.

26.5.2018