Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73,28)


Impuls zum Sonn - und Feiertag

Zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Wenn Gott zu den Menschen kommt, dann knallen die Korken – so salopp könnte man vielleicht die Botschaft des heutigen Evangeliums zusammenfassen. Wo die Korken knallen wird gefeiert. So wie auf der Hochzeit zu Kana. Deshalb darf der Wein nicht ausgehen. Da setzt Jesus ein Zeichen – wo er ist, da pulsiert das Leben, das ewige, das unvergängliche, das unüberbietbare. Allerdings deutet sich das erst an, zeichenhaft und zart. Es ist gewissermaßen das Hoffnungszeichen, auf das wir schauen können, wenn uns die anderen Bilder in dieser Zeit erschrecken, die Bilder einer vergänglichen und vergehenden Welt.  Diese werden in einem Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jeremia beschrieben, über den an diesem Sonntag gepredigt wird. (Jeremia 14,1-9) Von einer großen Dürre ist dort die Rede. Wir hören davon zu einer Zeit, da Kontinente in Rauch aufgehen, Flüsse austrocknen, Arten aussterben. Zwei gegensätzliche Aussagen? Vielleicht ist das die Botschaft an diesem Sonntag: Wo Gott erscheint, pulsiert das Leben. Wenn sich der Mensch von Gott trennt, liegt das Leben brach und stirbt. Gott will uns das Leben schenken in der Fülle. Dieses Leben in Fülle gibt es nur in der Gemeinschaft mit ihm, mit dem lebendigen Gott, der selbst das Leben in Fülle ist. Was sollen wir tun? Umkehren und Leben!                                            19.1.2020



Eine heilige, aber keine heile Familie

Die Ikone der Heiligen Familie habe ich mir in diesem Jahr zu Weihnachten geschenkt. Sie steht noch für eine Weile in meiner Andachtsecke und begleitet mich durch diese Tage: meine Weihnachtsikone. Wir sehen Maria, Josef und das Jesuskind. Die Eltern neigen die Köpfe einander zu, zärtlich und vertraut, wie Liebende. Das Jesuskind blickt mich wach und aufmunternd an. Aus der Geborgenheit heraus, die es in den Armen der Eltern findet, hebt es die Hand und segnet mich, den Betrachter. In sich versunken, nachdenklich, vielleicht sogar besorgt wirken die Eltern, ein Lächeln deutet sich  auf dem Gesicht des Kindes an. Die biblischen Geschichten, die wir bei Matthäus und Lukas lesen, erklären uns, warum es sich hier zwar um eine heilige, keineswegs aber um eine „heile“ Familie handelt. Ihre Geschichte ist alles andere als harmonisch. Unter erschwerten Bedingungen ist der Herr in diese Welt hineingeboren worden, ein Stall musste als Geburtsort und eine Futterkrippe als Wiege genügen. Ein Mordbefehl des Königs Herodes erzwingt die Flucht der Familie nach Ägypten und das Leben im Exil. So gesehen hatte Jesus keine einfache Kindheit. Die Ikone berührt mein Herz und weist über diese äußere Deutung hinaus. Ich glaube, sie deutet  die Größe und Tiefe des göttlichen Geheimnisses an, das wir verehren und das sich uns in den Festen des Kirchenjahres erschließt. Wir sehen Josef, den Mann. Er erinnert mich an die Treue und Verlässlichkeit Gottes - auch unter erschwerten Bedingungen, wenn Zweifel und Anfechtungen an mir nagen. Ich darf mich auf Gottes Liebe verlassen, wie sich Maria auf Josef verlassen konnte. Maria hingegen erinnert mich an die mütterliche, die weibliche Seite Gottes. Sie steht für die Zärtlichkeit und Zartheit der göttlichen Liebe, die mir ins Herz gelegt wird. Und das Kind weist hin auf den steten Aufbruch, das Neue, die Veränderung. Gott will in diese Welt hineingeboren werden, er will auch in mir geboren werden, in mir Mensch werden. „Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren, / komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! / Wohne in mir, / mach mich ganz eines mit dir, / der du mich liebend erkoren“ konnte Gerhard Teersteegen beten (EG41,7). Auf ein schönes Detail hat mich ein Mitbetrachter der Ikone hingewiesen: die Hände der drei Personen berühren sich zärtlich. So unterschiedlich sie sind, bilden sie so doch eine Mitte, finden zu einer Einheit durch diese Berührung. Es sind also drei unterschiedliche Personen, die doch eines sind. Im Schutz der Heiligen Familie kann ich es wagen, interessiert und vertrauensvoll die neuen Wege zu gehen, die Gott mich führen will, kann ich mich auf stete Veränderungen einlassen, auch im Glauben. Keine ausgewogene Erklärung ist das, hinterfragbar und anfechtbar, gewiss. Eine Ikone ist mehr als nur ein Bild. Sie führt mich ins Staunen und darüber hinaus in die Anbetung, eine Haltung, die alles Erklären und Deuten hinter sich lässt.

 7.1.2020



Das wahre Licht - zum Fest Epiphanias (Dreikönig)

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon!“ Dieses Wort hören wir am Dreikönigstag, an Epiphanias. Das Wort bedeutet sehr frei übersetzt: Fest der Erscheinung. Erschienen ist das Licht, das die Finsternis zurückdrängt, das uns Leben und Hoffnung schenkt. Ich denke an Weihnachten, sehe die Krippe mit dem Kind von Bethlehem. Seine Geburt ist wie ein kleiner Lichtstrahl der Hoffnung in einer dunklen, kalten Nacht. Das ist nicht mehr wie ein kurzes Aufleuchten von einem Streichholzes in der Nacht. Aber doch macht der Anblick dieses Kindes Mut, zeigt die Welt in einem warmen Licht, in dem wahren Licht, in dem die Welt dauerhaft erstrahlen soll. Ein kleiner Lichtstrahl Hoffnung ist dieses Kind und doch ein mächtiger. Er zeigt, was einmal sein wird. Die Zeit der Finsternis wird vergehen.  Die Zeit der Angst, der Not, der Tränen, des Leids, der Trauer wird ein Ende haben. Das wahre Licht scheint schon. Es wird stärker. So wie die Tage jetzt zögernd aber stetig länger werden, so breitet sich das Licht aus. Ein Prozess der Heilung, der Rettung ist das. Schritt für Schritt wird sich das Licht seinen Weg in unser Leben bahnen. Noch sind wir am Anfang. Noch gibt es sie, die dunklen Ecken, an denen man sich stößt, die dunklen Zeiten, die Angst machen. Und doch gilt: die Finsternis vergeht. Was mein Leben oft dunkel und trostlos macht, wird nicht bleiben, muss dem Licht weichen. Eine Ahnung davon, wie es sein wird, wenn sich das Licht durchsetzt, haben wir an Weihnachten bekommen, eine Ahnung von der Welt, wie sie werden wird - durch das Kind von Bethlehem, durch den Mann von Nazareth, den Gekreuzigten und Auferstanden. Den Weisen aus dem Morgenland hat der Anblick dieses Kinds genügt, um in die Knie zu gehen. Sie haben ihm Geschenke gebracht, das kostbarste was sie hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und ebenso die Hirten. Die Ahnung hat sie froh gemacht. Sie haben das Kind angebetet und sind nach Hause gegangen, zurück zu ihren Herden. Sie wussten, wir gehen einer gute Zeit entgegen.                  5.1.2020


Der Glanz, der bleibt - Zum 2. Sonntag nach Weihnachten

Allmählich verblasst der Glanz von Weihnachten. Der Baum beginnt zu nadeln. An den Plätzchen hat man sich satt gegessen. Die Geschenke sind nicht mehr so ganz neu, weisen vielleicht schon die ersten Gebrauchsspuren auf. Was bleibt von Weihnachten? Vielleicht eine schöne Erinnerung? Das wäre etwas sehr kostbares. Eine schöne Erinnerung wärmt das Herz und bereichert das Leben. Sicher hat Johannes so eine Erfahrung gemacht. Im Wochenspruch schreibt er: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes voller Gnade und Wahrheit.“ Diese Herrlichkeit leuchtet auf an einem Ort, den wir nicht vermutet hätten – in einem Stall, in einer Krippe. Wie schön wäre es, wenn uns diese Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes auch in unserem Alltag aufleuchtet – dort, wo wir es am wenigsten denken und erwarten? Das würde auf unser Leben einen nachweihnachtlichen Glanz legen, der beständig bleibt.                    3.1.2020