Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73,28)





Entlastung durch Liebe - zum 4.Sonntag nach Trinitatis

"Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!" Das Wort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater (6,2) begleitet uns durch die neue Woche. Ein unangenehmer Rat. Wer trägt schon gerne Lasten anderer? Haben wir nicht genug mit uns selbst zu tun und mit unseren eigenen Problemen? Wo vom Gesetz gesprochen wird, ist auch die Strafe nicht fern, oder? Allerdings bezieht sich Paulus auf das Gesetz Christi. Das findet man nicht im Gesetzbuch. Das ist uns in die Herzen geschrieben. Das Gesetz Christi besteht aus fünf Buchstaben - wenigstens in unserer Sprache: Liebe. Als ein Schriftgelehrter wissen wollte, was das wichtigste Gebot sei, antwortet Jesus mit dem Doppelgebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele  und von ganzem Gemüt.“ ( Mt.22,34ff)  Im Sonntagsevangelium gibt uns Jesus Beispiele, wie Entlastung durch Liebe aussehen kann: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.  Gebet, so wird euch gegeben…“ (Lukas 6,36ff) Stoßen wir da nicht immer wieder an unsere Grenzen?  Hören wir genau hin! Jesus sagt nicht: „Seid barmherzig!“ Er sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Die Worte Jesu sind eine große Herausforderung. Wenn ich sie als Gesetz verstehe, als etwas, was ich unbedingt tun muss, um selig zu werden, werde ich an ihnen scheitern, wie auch an den vielen anderen Gesetzen und Geboten der Bibel. Wenn ich sie als Heilmittel in mein Herz lasse, werden sie mich verändern. Sie sagen mir zuerst einmal wie Gott ist und sie zeigen mir, wie ich deshalb mit anderen Menschen umgehen kann – nämlich so, wie Gott mit mir umgehen will: gütig, barmherzig, ohne zu richten. Die Kraft zu diesem Leben kommt von ihm, nicht von mir. Das macht mir Mut, den Schritt zu wagen in ein Leben, das dieser Liebe vertraut.  Die Kraft zu diesem Leben kommt von ihm, nicht von mir. Das macht mir Mut, den Schritt zu wagen in ein Leben, das dieser Liebe vertraut. Das macht mir Mut, die Last tragen zu helfen, unter der mein Mitmensch seufzt. Die Liebe hilft dazu.

14.7.2019